Mittwoch, 2. November 2011

Ankunft

So, die ersten Gruesse aus Ecuador! :)

Ich bin gut hier in Ibarra angekommen. Der Umstieg in Madrid war zwar recht stressig, aber der Flug nach Quito dafuer erstaunlich angenehm. Neben mir ist ein sehr netter und wohl recht wohlhabender Ecuadorianer gesessen, den ich aber zuerst eher fuer einen Spanier oder US- Amerikaner gehalten haette. Er hat nach der Haelfte des Fluges sogar mit mir Platz getauscht, sodass ich z.B. dieses Bild von der Nordostkueste Venezuelas machen konnte:


In Quito angekommen war dann erstmal das reinste Chaos bei der Gepaeckausgabe. Niemand, nicht mal das Flughafenpersonal vor Ort, hatte eine Ahnung, wo man fuer welchen Flug sein Gepaeck abholen kann. Nach langem Warten und Suchen hab ich meinen Rucksack schliesslich aber nicht bekommen. Eine Frau von Iberia wusste allerdings, als ich ihr meinen Vornamen mitteilte, komischerweise sofort, dass er in Madrid abgeblieben ist. Mittlerweile hab ich ihn aber Gott sei Dank! Mein Gastvater ist mit mir gestern nochmal mit dem Bus nach Quito gefahren, um ihn zu holen.
Ich wurde hier sehr herzlich empfangen und wohne bei einer sehr netten und gastfreundlichen Familie. Sie haben zwei aeltere Toechter, die allerdings nicht mehr zuhause wohnen, ein Tochter mit 13 (Fani) und einen Sohn mit 11 (glaub ich), der Sebastian heisst. Der Vater ist Schuster und hat eine kleine Werkstatt. Sie haben auch einen Art kleinen Hof, in dem viele viele Meerschweinchen leben. Was ich bis jetzt so mitbekommen habe, werden die alle mal geschlachtet. In Ecuador sind Meerschweinchen ja eine Spezialitaet. :)
Der Hof:

Man lebt hier zwar schon recht spartanisch, aber ich hab ein eigenes, wirklich kommodes Zimmer. Und es ist  wahnsinnig interessant, das Leben einer ecuadorianischen Familie hautnah mitzuerleben. Die Strukturen sind hier nach europaeischen Masststaeben recht urspruenglich. Der Vater faehrt jeden Tag zum familieneigenen Feld, um z.B. Futter fuer die Meerschweinchen zu ernten oder arbeitet in der Schusterwerkstatt. Die Mutter kocht (sehr gut und reichlich!), serviert der Familie das Essen und setzt sich dann sehr zurueckhaltend an den Tisch, wenn die anderen schon fast fertig sind. Als Mann raeumt man hier irgendwie das Geschirr auch nicht ab oder hilft anderweitig mit. Ich frag immer, ob ich nicht helfen kann, aber mein Angebot wird immer mit grosser Freundlichkeit abgelehnt.
Meine Familie ist wirklich toll! Nicht ganz leicht ist zurzeit das Spanischsprechen. Ich habs ja in der Theorie schon recht gut gelernt, aber hier so mitten im spanischsprachigen Leben ist halt schon was anderes. Ich kann ganz gut zum Ausdruck bringen, was ich will und auch einiges erzaehlen, aber beim Verstehen hab ich oft Probleme. Manche Leute hier sprechen sehr schnell und undeutlich, wobei ich oft nicht differenzieren kann, ob die Verstaendigungsschwierigkeiten an mir oder an den anderen liegen.
Zumindest hab ich das Gefuehl, Fortschritte zu machen. Und meine Familie ist sehr geduldig mit mir und nimmt so manchen Versprecher von mir mit Humor. Ganz allgemein sind die Leute hier unglaublich freundlich!

Hier noch ein paar Fotos von Ibarra:


Einer der 5 Friedhoefe:

 Ibarra liegt sehr schoen, von Gebirgszuegen eingerahmt.

Es ist hier trotz der hohen Lage wirklich heiss! Immerhin leb ich hier ja am Breitengrad 0 :)
Man merkt auch die koloniale Praegung. Alles hier scheint sehr systematisch erbaut, die Strassen verlaufen groesstenteils parallel und werden immer im 90-Grad-Winkel gekreuzt, so wie im Bild oben.

Ganz allgemein war mein erster Eindruck von hier sehr positiv, von den Leuten, der Schoenheit der Landschaft, usw. Es ist wirklich alles doch recht anderes als in Europa. Allein schon im Strassenverkehr. Wenn man den deutschen Sicherheitswahn gewohnt ist, wundert man sich schon, wenn auf einem Pick-Up ca. 5 Leute hinten auf der Ladeflaeche mitfahren, wenn der Bus manchmal nicht wirklich anhaelt, sondern die Leute einfach auf den fahrenden Bus aufspringen oder wenn es im Auto einfach keine Gurte gibt.
Aber trotzdem haben sich die meisten negativen Dinge, die ich bis jetzt ueber Ecuador gelesen hab, noch nicht offenbart, z.B. Geschichten von sehr abenteuerlichen Busfahrten. Allerdings bin ich erst seit ein paar Tagen da und hab wohl von so manchen (evtl. auch eher negativen) oertlichen Gebenheiten doch noch recht wenig Ahnung.
Die gestrige Busfahrt nach Quito hat zwar fuer die Strecke von ein bisschen mehr als 100 km sehr lang (3 Stunden) gedauert, war aber recht angenehm.
Hier noch ein sehr schoenes Bild von der Fahrt mit dem Lago San Pablo im Hintergrund.



Morgen beginnt meine Arbeit! Da bin ich schon gespannt. Ansonsten hoff ich, oft hier ueber meine Erlebnisse berichten zu koennen. Bei mir daheim hab ich kein Internet, aber Internet-Cafes gibts sehr viele hier.

Bis hoffentlich bald wieder,

Jonas

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