Freitag, 27. Januar 2012

El fin de enero

Genauso wie bei meinem ueberaus originellen Titel, spar ich mir heute jegliche Originalitaet eines guten Anfangs, und fall einfach mit der Tuer ins Haus des...
...Don Galo

Hier in seinem (ehemaligen) Zimmer zu sehen, dabei, Stein fuer Stein abzunehmen.
Zusammen mit seinem Sohn.

Kaum zu glauben, dass darin mal jemand hat hausen muessen. In der Tat ist es wohl besser, diesen “Raum” einfach abzureissen und einen neuen hinzubauen, anstatt zu versuchen, ihn irgendwie wieder in Ordnung zu bringen. So spricht unser Maestro Miguel, mit dem wir jetzt zusammenarbeiten. Nach einigen verpassten Treffen mit dem Architekten ist er auf einmal aufgetaucht und wir sind froh darueber, denn er nimmt jetzt alles selbst in die Hand, er kauft die Materialien ein, organisiert seine Arbeiter, etc.
Wie schon einmal erwaehnt, schaffen wir durch dieses Vorhaben neue Wohnmoeglichkeiten fuer andere Kollegen aus dem Projekt. Und das nicht nur, indem wir dieses Zimmer bewohnbar machen,
hier haben wir auch jenen wertvollen Flecken Erde entdeckt,
auf dem wir ein weiteres Zimmer erbauen koennen und somit ein weiteres potenzielles neues Heim fuer einen unserer Adultos Mayores.
Hier (vorne rechts) soll das Bad hin,
und, da wo ich als Fotograf bei dem Bild stand, ein Platz zum Waschen, so ein Art Waschbecken oder "Waschstein". Auf dem Grundstueck gibt es so einen Apparat bereits (man sieht ihn auf dem oberen Bild), aber der muss dem neuen Zimmer Platz machen.

In der Summe ist es einiges, was wir dafuer berappen muessen, doch angesichts dessen, was wir damit schaffen koennen, durchaus sinvoll investiert. Ich danke den Spendern, die uns dieses Werk ermoeglichen!
Traurigerweise nur reicht unser Budget jetzt nicht mehr ganz fuer die 35 Matratzen, die wir benoetigen. Also wer noch einen Taler in der Tasche findet, der gebe ihn! Irgendwie kriegen wir das schon hin!

Am morgigen Samstag soll das ganze beginnen.

Damit wir nicht alles gaenzlich aus eigener Tasche zahlen muessen, haben wir letztens an die Oeffentlichkeit appelliert, mit der Bitte um materielle Spenden in Form von Decken (denn die werden mancherorts auch gebraucht) und haben...Betten bekommen.
Ein Altenheim hatte so manche Sachen uebrig, ein paar alte Moebel waren auch dabei.


Das Zeugs ist auch schon beim Projekt angekommen, wird am besten noch gestrichen, in lilblassblau und magenta und kann dann in die einzelnen Haeuser. Doch an Betten fehlt es eigentlich weniger, Matratzen sind gefragt. Trotzdem freuen wir uns natuerlich sehr ueber diese milde Gabe.

Zurzeit werden viele Adultos Mayores von "Grippe" geplagt, was hier aber einfach nur heisst, dass man erkaeltet ist, so aehnlich wie im Bayerischen: "Der hat d´Gripp!" Wenn man einmal niesst, wird man sofort ganz besorgt gefragt: "Estás con gripe?"  Auch mein armer kleiner winziger Gastbruder schniefelt die ganze Zeit vor sich hin. 
Es kommt wohl daher, dass es zurzeit in der Nacht manchmal wirklich krass kalt wird und die meisten sich, wenn ueberhaupt, nur mit kaltem Wasser duschen koennen.
Um dem ein bisschen die Stirn zu bieten, ermoeglichen wir ihnen nun das Duschen im Projekt, denn es gibt dort Duschen, sogar mit warmen Wasser, was auch fuer mich mittlerweile wahrer Luxus ist. Irgendwas war damit immer nicht in Ordnung, aber jetzt funktionieren sie, ausgestattet mit allem Drum und Dran, das wir letztens gekauft haben.
 
Den einen oder anderen Tag schaut auch ein Arzt vorbei, hier Doctor Fausto, mein Knecht (er heisst tatsaechlich so),
der sich der medizinischen Belange der Leute annimmt.
Oft koennen sie sich selbst die Medikamente nicht leisten, aber die bekommen sie dann teilweise auch vom Projekt.


Ansonsten ist zurzeit "Wipe" der Hit. Man zerreisst ein paar Fetzen Stoff, mit einem Bierdeckel oder einem anderen Werkzeug und bekommt als Produkt eine weiche Masse, die man fuer etwas verwenden kann. Ich hab einmal gefragt, fuer was und sie meinten als Vorhaenge, fuer Autos oder zum Haendeabtrocknen. Bueno, ist auch nicht so wichtig, es macht naemlich echt Spass, ist wirklich entspannend und gern setz ich mich zu ihnen dazu, wenn gerade eine Wipe-Session stattfindet.










Samstag, 21. Januar 2012

Ausfluege und die Suche nach der Mitte der Welt

Die ersten Januarwochenenden trieben mich eher auf Kurztrips in die mehr oder weniger naehere Umgebung. Durch Verkettung von Zufaellen fuhr ich nach Cayambe, eine unspektakulaere kleine Stadt noerdoestlich von Quito. Ein paar Kilometer weiter erreicht man aber Guachalá und damit wirklich direkt genau den Aequator, bzw. nicht ganz. Die Franzosen hatten im 19. Jahrhundert den nullten Breitengrad um ein paar Meter verfehlt. Trotzdem eine respektable Leistung fuer damalige Moeglichkeiten.
Auch der Globus aus Stein am Weltmittelpunktsdenkmal, hier Suedostasien und Australien. Zwar etwas kantig, grob und verrueckt, aber...immerhin. Zum schmunzeln.
Mit Insiderwissen findet man, einen kleinen Weg entlang, dann zum tatsaechlichen Aequator, mit den modernen Mitteln der Technik- GPS- ausgemessen. Man muss echt aufpassen, dass man die recht unscheinbare Unterbrechung des Pflastermusters nicht uebersieht.
Es ist schon ein sehr ergoetzendes Gefuehl, gleichzeitig auf der Nord- und der Suedhalbkugel zu stehen. Und auch der Blickwechsel zwischen den beiden Hemisphaeren.
Nordhalbkugel
Suedhalbkugel
Schoene Motive sind das doch! Solche geographischen Hoehepunkte koennen mich unglaublich begeistern, vor allem auch der Gedanke, dass ich ja staendig zwischen diesen Halbkugeln hin- und herpendel.
Eine andere Mitte der Welt gibt es in Quito, etwas ausserhalb, in einem kuenstlichen Ort namens "Mitad del Mundo".
Von verschiedenen Quellen wusste ich, dass das nicht der wirkliche Breitengrad 0 ist. Wieder stimmt es um ein paar Hundert Meter nicht, diesmal aus dem Grund, dass man an der eigentlich richtigen Stelle wegen einer sich dort befindenden Wohnsiedlung dieses Monument nicht errichten konnte,
das mich nach dem Besuch der “wahren Mitte” und mit dem Wissen ueber die “Fake-Mitte” einigermassen angelascht hat. In der Hinsicht bin ich Prinzipienreiter. Die ganzen hysterischen Touristen, die sich in allen moeglichen Posen an dieser gelben Linie im Blitzlicht raekelten, konnte ich nicht verstehen. Vielleicht wissen sie es nicht oder verdraengen es, so wie es im Lonely-Planet- Reisefuehrer geraten wird.
Die dritten Aequatorbekanntschaften im Freilichtmuseum Solar Inti Ñan waren wieder keine echten, wie ich nachgelesen hab.
Trotzdem war die Fuehrung durch diesen Garten recht interessant. Es ging hauptsaechlich um Braeuche und Lebensweise von Indígena-Staemmen im Oriente und am Schluss dann um physikalische Phaenomene am nullten Breitengrad.
Man musste versuchen, ein Ei auf einen Nagel zu stellen. Ich hab´s als einer der ganz wenigen geschafft, juchu! Und danach sogar ein Zertifikat bekommen.:)
Dieser Herr staunte nicht schlecht.
Ich muss irgendwann noch ausprobieren, ob das fernab vom Aequator nicht auch moeglich ist. Auch an anderen Versuchen und Expermienten, die wir gemacht haben, zweifel ich; teilweise war es echt zu frappierend, was auf der (noch dazu unechten) Linie moeglich ist und minimal daneben nicht mehr.

Am Wochenende darauf wollte ich eigentlich nach Kolumbien, aber vernuenftigerweise dachte ich, es ist wohl besser, wenn ich meine Magenbeschwerden von der Costa erst vollstaendig auskurier, bevor ich mir wieder groessere Reiseziele vornehm. Aus im Nachhinein schwer erklaerlichen Gruenden zog´s mich nach Tulcán, noerdlichste Stadt der Sierra, letzter Ort vor der kolumbianischen Grenze und auch einzig empfohlenes Sprungbrett fuer alle Grenzgaenger. Ansonsten hat die Stadt jedoch herzlich wenig zu bieten. Es gibt einen beruehmten Friedhof
mit lauter ganz verschiedenen aus Hecken geschnittenen Skulpturen, deren Formen griechische, roemische, aegyptische, aztekische und inkaische Wurzeln haben.
Leider werden manche von leidenschaftlichen Klettermaxen in ihre Mitleidenschaft gezogen.
Es muss aber wirklich ein Heidenspass sein- ein Versteckal-Fangal-Kraxl-Paradies fuer Kinder, die die Grabbesuche der Familie langweilen und davon ausbuechsen.
 ...da musste ich an Harry Potter 4 bei der dritten Aufgabe im Labyrinth denken...

Neben diesem einzigen Lichtblick ist die Stadt an sich, vor allem auch im Vergleich zum pulsierenden Ibarra, so leer, karg, leblos...um nicht zu sagen haesslich.
 Doch die, die eigentlich gern nach Kolumbien wollten, koennen schon ein bisschen Kolumbien-Luft schnuppern, mit Autos aus Ca- Ca-Cali
und ganz biederen Typen mit kolumbianischen Peso-Lappen in der Hand, die den Strassenrand zieren und sicher ganz biedere Geldwechselgeschaefte betreiben. 



 Ecuador ist wegen dem US-Dollar ein attraktives Land fuer die Nachbarstaaten Kolumbien und Peru. Die Leute kommen, um in irgendeiner Form Geld zu verdienen, um dann wegen dem besseren Wechselkurs beim Tausch in die eigenen Waehrung einen Gewinn zu machen.

Einmal schaff ich´s schon auch noch ueber die Grenze rueber.

Eigentlich sollte ich auch gerade in Guayaquil sein. Aber ich wurde Donnerstag und Freitag ein wenig von Pech verfolgt. Mir ist etwas sehr dummes passiert, was mir einigen Stress gekostet hat und mich dazu zwingt, am Montag hier auf der Matte zu stehen. Dann wollte ich mein Unglueck nicht weiter herausfordern bei einer Reise in eine Stadt, die wirklich nicht ohne ist.
Aber ich hab Guayaquil schon auf das erste Februarwochenende vertagt, lasse meine Enttaeuschung ueber den aus verschiedenen Gruenden reisetechnisch recht unereignisreichen Januar, der noch nie mein Gluecksmonat war, hinter mir und plan voller Vorfreude die zweite Haelfte meiner Zeit hier.