Samstag, 26. November 2011

Erste Schritte

Immer wenn ich bei den Hausbesuchen in letzter Zeit gemeint hab, dass das, was ich da seh, schon ziemlich das Aeusserste sein muss, haben immer wieder andere Wohnsiutationen so manches an Schrecklichkeit noch uebertroffen.
Gestern waren wir bei einem Ehepaar, das in einem Randteil der Stadt mehr oder weniger in der Wildnis lebt.
 Allein der Weg zum Haus ist schon abenteuerlich und fuehrt ueber Stock und Stein:  
Dieser einzig vorhandene Weg von ihrem Haus in die Zivilisation geht ueber diesen Steinbruch. Wenn es regnet- haben sie uns berichtet- ist schnell alles ueberschwemmt und unpassierbar, die armen somit von der Aussenwelt ausgesperrt.
Noch schockierender ist die Tatsache, dass es in dem Haus einfach kein Klo, bzw. Bad, geschweige denn ein Abwassersystem gibt, was zudem auch so schwierig zu installieren ist! Sie verfuegen lediglich ueber einen Hahn, ueber den sie mit einem Art Gartenschlauch Wasser zum Waschen und Kochen beziehen. 

Die Verhaeltnisse in einem anderen Haus, das wir dann am abend noch mit einer groesseren Gruppe besichtigt haben, waren nichts als entsetzlich und mit das schlimmste!12 Menschen in drei Generationen wohnen in einem Winzighaus, das nur aus drei Zimmern plus Kueche und Bad besteht. Ein aelterer Herr, der ab und an das Projekt besucht, lebt mit seiner Frau und seiner Enkelin auf wenigen Quadratmetern. Er hat uns von dem traurigen Schicksal seiner Enkelin erzaehlt. Sie ist 13, leidet unter einer schweren koerperlichen und geistigen Behinderung und ihre Eltern haben sich nach ihrer Geburt einfach davongemacht. Die Grosseltern kuemmern sich um sie, so gut sie koennen. Aber die spezielle medizinische und zwischenmenschlich-emotionale Betreuung, die Menschen mit Behinderung benoetigen, ist hier angesichts der sonstigen problematischen Umstaende und Maengel noch viel weniger gewaehrleistet. Es ist alles so unglaublich schwierig. So viele Missstaende multiplizieren sich und lassen die Situation so uferlos werden. Ein Loch in der Wand laesst sich durch handwerkliche Arbeit ausbessern, aber hier weiss man ja gar nicht, wo man ansetzen soll. Es faengt bei der unvorstellbaren Beengung an und geht ueber die wenigen finanziellen Mittel bis hin zu der benoetigten seelischen Unterstuetzung, um nur ein paar Problempunkte anzusprechen.

Aber an anderer Stelle tut sich schon was. Vor ein paar Tagen fuhr ich mit der Hermanita Susana zu einem renommierten Architekten der Stadt. Die Vorstellungen von der Hermanita Susana, ein Grundstueck zu kaufen, um dort Haeuser fuer die Adultos Mayores zu errichten, hat er als weniger vorteilhaft befunden, weil man dann entweder fuer jedes einzelne Haus Kueche, Bad, etc. braeuchte, was sehr kostensiv waere oder das ganze, wenn man das alles fuer die gesamten Haueser zentral errichten wuerde, wieder einer Art Essensausgabestaette gleichkommen wuerde, wie sie es ja im Projekt eh schon gibt. Stattdessen hat er eher die Idee von Carlotta und mir befuerwortet, in den schon vorhandenen Haeusern, so gut es geht, die Maengel auszubessern. Fuer die, die gar kein Haus haben, koenne man eine Ausnahme machen und sich um kleine "Casitas" bemuehen, was sich aber wohl als der schwierigere Teil der ganzen Arbeit erweisen wird. Es gibt da auch vom Staat subventionierte Wohnprojekte. Ich bezweifel aber, das es so leicht ist, von diesen Angeboten Gebrauch machen zu koennen und befuerchte, das es letztendlich mehr heisse populistische Luft ist als eine handfeste Moeglichkeit.
Nicht ganz leicht ist ausserdem die Konsensfindung innerhalb der Leute, die mit dem Projekt zu tun haben. Ich hab schon festgestellt, dass man hier gern einfach wartet. In diesem Fall, bis man alle Haeuser gesehen hat, um dann entscheiden zu koennen, wo die Hilfe am dringensten benoetigt wird. Aber bei manchen Haeusern sind die Maengel so akut offensichtlich, dass es nicht gut waere, laenger mit irgendwelchen Verbesserungsmassnahmen zu warten. Ausserdem sind wir Freiwilligen jetzt hier, um was tun zu koennen.
In dem Buero des Architekten hab ich auch zwei Architekturstudenten getroffen, die mir ihre Hilfe angeboten haben und im Rahmen ihres Studiums auch eine Art soziales Projekt machen muessen. Carlotta und ich sind zu ihnen an die Uni gefahren, haben ihnen die Fotos gezeigt und uns heute gleich getroffen, um die Haueser gemeinsam zu besichtigen.
Wir haben uns vorerst primaer zwei Haeuser vorgenommen: Das eine der Mutter mit ihrer Tochter, die sich ein kleines  Schlafzimmer und ein Bett teilen muessen und das Haus eines Ehepaars, wo in den Waenden so grosse Loecher sind (von beiden hab ich Bilder gezeigt).
Die insgesamt drei Studenten, mit denen wir zusammenarbeiten, haben alles ausgemessen, einen Plan angefertigt und sich genau notiert, was an Material benoetigt wird.
In dem Haus mit den mangelhaften Waenden haben sie im Bad den Ursprung des Uebels erkannt: An einer Stelle tritt Wasser aus und beschaedigt somit die ganzen Waende. Das wollen sie unter anderem bei der Arbeit besonders forcieren.

Naechsten Mittwoch treffen wir uns wieder und sprechen ueber die bevorstehende konkrete Arbeit, mit der wir am naechsten Wochenende beginnen wollen.

Es sind erst zwei Haeuser und es gibt in so vielen Verbesserungsbedarf! Ausserdem haben wir den Grossteil noch gar nicht besichtigt. 
Aber irgendwo muss man mal anfangen...

Zum Schluss noch der in Quito mit ca. 2800 m ueber MSL wohl hoechstgelegenste McDonalds der Welt. 


Mittwoch, 23. November 2011

¡Quitoquitoquito!

Mit dem Bus zu reisen ist leichter als ich gedacht haette. Meistens bruellt irgendjemand Quitoquitoquitoquito und dann weiss man gleich, wo man einsteigen muss, wenn man nach Quito will, so wie ich. Meine obligatorische Visusmsregistration hab ich gleich mit saemtlichen Stadtbesichtigungspunkten ausgeschmueckt.
Plaza Grande oder auch: Plaza de la Independencia. Im Hintergrund La Catedral de Quito. Belebt und schoen!
Dort war gerade Cambio de Guardia, den ich also ungeplant auch miterleben durfte.
Zuerst haette ich gedacht, was fuer ein Glueckspilz ich bin, dass ich genau dann zu dem Platz komm, wo gerade so ein Event stattfindet. Aber, wie ich spaeter erfahren hab, findet das jeden Montag um 11 Uhr statt. Glueck hatte ich trotzdem, ich konnte naemlich Rafael Correa, den Praesidenten, sehn.
Er steht auf der Empore des Palacio de Carondelet, eher auf der rechten Seite. Wer weiss, wie er ausschaut, erkennt ihn.
Ganz gewissenhaft hab ich saemtliche Kirchen besichtigt, eine interessanter als die andere. Mein auf den Chorfahrten erworbenes Epochenwissen versuchte ich zur Analyse einzusetzen; ob ich mit meinen Enschaetzungen richtig gelegen bin, weiss ich nicht.
Die La Compañía de Jesús war schon ein besonders gewaltiger Anblick! Voll von kolonialem Prunk, Gold und Gold, so weit das Auge reicht. Leider durfte ich von saemtlichen Kirchen innen keine Fotos machen. Angesichts der Schoenheit der Bauwerke hab ich mich auch dran gehalten.

Ein haeufiges Strassenbild. Oft vermischt sich koloniale Genauigkeit mit lateinamerikanischer Unordnung.
Vom Palacio Itchimbia aus hatte ich einen guten Blick ueber das Haeusermeer, das sich in Nord-Sued-Richtung erstreckt und im Osten und Westen die Berge hinaufschwemmt. Leider war es herzlich bewoelkt.
Auf dem Berg auf der linken Seite steht die La Virgen de Quito, die die Stadt vor Unheil beschuetzen soll. Weil sie nach Norden schaut, kann sie nicht sehen, was sich in dem als unsicher geltenden Sueden abspielt.

Beinahe waere ich einmal ziemlich ueber den Tisch gezogen worden. Mein spontaner Entschluss, eine Sim-Karte zu kaufen, fuehrte mich in einem fuer hiesige Verhaeltnisse fast schon futuristisch anmutendem Kaufhauskomplex in einen kleinen Nebenladen.
Die Herrschaften verlangten zuerst nach meinem Reisepass, was mir schon sehr spanisch vorkam. Gott sei Dank war der gerade in der Extranjería. Ich hatte nicht viel Zeit und normalerweise ist so ein Kaufvorgang ja nach wenigen Augenblicken abgeschlossen. Aber die Frau und der Herr versuchten die ganze Zeit irgendwas bei meinem Handy zu aktivieren und das mit einer seelenruhigen Ignoranz. Als es mir zu bloed geworden ist, wollte ich den Vorgang abbrechen, was sie aber als nicht mehr moeglich deklarierten. Die Karte kostete 7 Dollar, ich hatte ihnen 10 gegeben. Also wollte ich zumindest meine Karte und meine 3 Dollar Rueckgeld. Irgendwann bestritten sie aber, dass ich ihnen die 10 Dollar gegeben hatte und steigerten sich immer mehr in ihre “Ich bin beschaeftigt und weiss von nichts”-Haltung rein. Leider ist mein Spanisch noch nicht so gut, dass ich mit Schlagfertigkeit glaenzen koennte, wobei das wahrscheinlich auch nicht so viel gebracht haette. Es waren eine Tussi und ein Uebernerd, also nahm ich mir irgendwann einfach mehr oder weniger eigenwillig und dank meiner Penetranz meine Karte und meine 3 Dollar und ging weg.
Dass einem als Gringo hier sowas passiert, ist sicher gar nicht selten, aber ich war trotzdem ziemlich enttaeuscht, weil es mein durchaus positives Bild von den Leuten hier reichlich verschlechtert hat.
Sehr oft bin ich auch mit Ecuadorianern unterwegs, was einen vor sowas schonmal schuetzt.

Es gaeb immer noch unzaehlige weitere zeigenswerte Fotos und erzaehlenswerte Sachen, aber das wuerde hier den Rahmen sprengen. Z.B. hab ich´s letztens auch nach Otavalo geschafft. Aber jetzt beend ich lieber meine Internetsession und bericht darueber vielleicht ein anderes mal. Bis dann wieder :)