Hola! Hier passiert so viel, dass ich immer nicht genau weiss, wann was war. Aber gestern und heute war ich zum ersten mal im Projekt. Es handelt sich um eine Tagesstaette, die aeltere von Armut betroffene Menschen vier mal in der Woche besuchen koennen. Viele der Leute, die dort hingehen, leben allein und haben nicht mehr den grossen Lebensinhalt. Dort bekommen sie eine warme Mahlzeit und koennen sich treffen, um sich zu unterhalten, zu tanzen, zu basteln oder andere Sachen zu machen. Das ganze ist an ein Kloster gebunden. Oben ist ein Bild von dem Haus. Es ist auch ein kleiner Garten dabei.
Ich wurde hier mit einer unglaublichen Herzlichkeit in das Projekt aufgenommen und konnte mich vor lauter "Bienvenidos" gar nicht mehr retten. Die Menschen hier haben so wenig, aber sind trotzdem so lebensfroh, lachen sehr viel und freuen sich ueber die kleinsten Kleinigkeiten, z.B. als ich ihnen vor dem Essen eine Serviette gegeben hab.
Neben der taeglichen Speisung gibt es ganz viele andere Sachen, die hier unternommen werden, u.a. Ausfluege. Ausserdem basteln die alten Menschen gerade Sachen, die dann an Weihnachten verkauft werden.
Ich bin gerade am mich hier zurechtfinden und denke auch an eigene Initativen, z.B. in Richtung Musik. Hier gibt es zwar kein Klavier, aber ich hab mir vom Kloster eine Gitarre ausgeliehen und versuch jetzt gerade, meine so gut wie nicht vorhandenen Kenntnisse zu optimieren.
Bei meiner Familie sind gerade die zwei aelteren Toechter zu Besuch, ich glaub wegen Allerheiligen. Ecuador ist sehr katholisch und deswegen sind die Feiertage aehnlich wie in Deutschland. Der Mann von einer der beiden Toechter (Orlando) wohnt in Guaranda und ist Englischlehrer. Ich versteh mich gut mit ihm und es ist eine sehr gute Uebung fuer mein Spanisch, mit ihm zu reden. Er spricht ungewoehnlich langsam und deutlich und da er (ein bisschen) Englisch kann, kann die Unterhaltung weitergehen, wenn es gerade an einem Wort scheitert. Er ist wahnsinnig an dem Leben in Deutschland interessiert und weiss erstaunlich viel ueber die europaeische Geschichte. Auch die anderen Familienmitglieder wollen immer vieles ueber Deutschland wissen, meinen Gastvater interessieren vor allem die Preise. Er ist staendig erstaunt, wie teuer alles im Vergleich zu hier ist (was wirklich stimmt). Insofern kann ich, da wir zwar mehr verdienen, aber die Lebenshaltungskosten auch viel groesser sind, ungewollt ein bisschen mit dem Klischee des ueberreichen Europaeers aufrauemen, das hier oft vorherrscht, weil man sich ja den Transatlantikflug leisten konnte. Fuer die Leute hier ist es wirklich sehr schwierig, was von der Welt zu sehen zu bekommen. Die meisten waren maximal in Kolumbien.
Hier sind Orlando und die juengere Tochter Fani zu sehen.
Und unten die Mutter der Familie, die beiden aelteren Toechter und Gabriel, der Sohn einer der beiden Toechter. Ich muss beschaemt zugeben, dass ich die Namen nicht weiss. Sie haben sich alle irgendwann mal bei mir vorgestellt, aber da war ich immer so mit der Begruessung und dem Spanischsprechen beschaeftigt und oft noch recht muede vom Flug. Und nach etlichen Tagen des Zusammenlebens waere es auch sehr peinlich, dann noch nach dem Namen zu fragen. Ich muss halt jetzt versuchen, die Namen ueber einen dritten herauszubekommen. ;)
Vor ein paar Tagen waren wir abends auf einem interessanten Markt. Leider hab ich da meine Kamera aus Angst vor Verlust nicht mitgenommen. Ich kann nicht gut einschaetzen, wie praesent die Gefahr hier ist, als Europaer beklaut oder gar ausgeraubt und ueberfallen zu werden. Ich fuehl mich in meinem Viertel der Stadt, in dem ich mich jeden Tag beweg, relativ sicher. Die Einheimischen meinen immer, dass einem nicht viel passieren kann, aber fuer einen "Gringo" gelten halt dann doch ganz andere Gesetze. Man sollte vielleicht nicht in irgendwelchen suboptimalen Vierteln nachts rumlaufen...
Kolumbien, z.B., soll aber wirklich schon gefaehrlich sein.
Ich fuehl mich hier irgendwie schon sehr fremd, wobei mir die Einheimischen dieses Gefuehl allerdings nicht suggerieren, ganz im Gegenteil. Sie nehmen mich wunderbar auf!
Hier noch ein haeufiges Bild in den Strassen von den besagten vielen Leuten auf den Pick-Ups:
Viele liebe Gruesse aus Ecuador, Jonas
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