Freitag, 23. Dezember 2011

Vorweihnachtstrubel

Zuallererst will ich mich sehr sehr herzlich bei allen Spendern bedanken! Es ist schon einiges eingegangen und darueber haben wir uns ausserordentlich gefreut!
An vielen verschiedenen Stellen gibt es Problemherde und wir finden fuer alle Gelder eine wichtige Verwendung, sei es fuer die Anschaffung von Materialien, die Bezahlung der Arbeitskraefte oder den eventuellen Kauf eines Grundstuecks. Ausserdem hab ich doch einmal von der behinderten Enkelin eines Adulto Mayor berichtet, deren Familie Schwierigkeiten hat, die Medikamente zu bezahlen, die sie benoetigt. Auch hier wird also finanzielle Unterstuetztung benoetigt.
Aber ich muss mich trotzdem entschuldigen, dass ich nicht jetzt schon viel mehr Ergebnisse praesentieren kann, z.B. die ersehnten Bilder von dem fertig verbesserten ersten Haus, denn wir konnten die Arbeiter noch nicht wieder fuer einen finalen Arbeitstag rekrutieren und muessen uns noch bis zum kommenden Samstag gedulden. Jetzt in der Vorweihnachtszeit gab es viele andere Dinge, denen wir uns widmen mussten, sodass die Arbeiten leider etwas stagnierten.
Beim letzten mal in Juanas Haus ist aber wieder wichtiges vorangegangen.
Die frueher so kargen Waende werden jetzt von einer Zementschicht bedeckt, die verhindert, dass Feuchtigkeit eindringt.
Diesbezueglich praeventioniert wird auch ausserhalb durch den bereits fertiggestellten Kanal. Das Regenwasser kann jetzt gut abfliessen, staut sich nicht mehr an der Hauswand und versickert somit nicht mehr darin.
Am Samstag muessen wir das Dach von der Kueche in Ordnung bringen, dort eine Leuchtflasche einsetzen und im Schlafzimmer muss noch gestrichen werden.
Wenn ich in dieser Sache jetzt noch nicht mehr zeigen kann, will ich von den bisherigen Weihachtsfestivitaeten erzaehlen. Denn der Advent hat etwas lange auf sich warten lassen, aber spaetestens seit dem Beginn der Novena (neuntaegige Andacht vor Heiligabend) ist er auch in Ecuador angekommen und jeden Tag gibt es tatsaechlich ein kleines Fest/Gebet.
Im Projekt selbst gab es drei hervorzuhebende Ereignisse: Am Samstag kam ein Ingenieur, der die Einrichtung seit langen Jahren unterstuetzt, mit seiner Familie zu Besuch.
Zuerst wurde schoen gegessen; alle in ihrer feinsten Sonntagskleidung praesent.
Sehr erheiternd war dann das anschliessende Programm. Es ist erstaunlich und unglaublich nett, wie sehr und mit welcher Freude die Adultos Mayores aus sich herausgehen koennen, z.B. bei einem Spiel, bei dem es darum geht, Tiere nachzuahmen.
Der stolze Gewinner Manuél hat sich seinen Titel auch redlich verdient. Bei seinem Auftritt musste die ganze Menge nur noch losprusten.
Hier bei der Preisuebergabe durch unseren prominenten Gast.
Talente werden hier auch nicht aus Angst oder Bescheidenheit versteckt, sondern wenn die Gelegenheit passt, gibt man ein kleines Lied zum Besten, so wie auf diesem Bild der Saúl (mitterweile kenn ich die Namen schon :) )
Und sobald der Rhythmus erfasst ist, wird solange geklatscht, bis man sich nicht mehr auf dem Stuhl halten kann und zum Tanzen anfaengt und das manchmal wirklich nur zu der schoenen sonoren rauen Stimme unseres Saúl.
Oder zu energiegeladenem Salsa.
Ausserdem konnte der Chor unter meiner Leitung drei einstudierte Weihnachtslieder zum ersten mal auch in der Oeffentlichkeit mit Erfolg praesentieren. Leider hab ich davon nur gerade kein Foto parat.

Gleich am Tag darauf war Tag des offenen Hauses, wie man auf Spanisch dazu sagt. 
Ihre ueber einen laengeren Zeitraum mit Ausdauer und Fleiss erstellten Handarbeiten konnten die Adultos Mayores nun verkaufen.
Haeufig anzutreffen waren solche huebschen Krippen.
Aber mein Favorit war eindeutig dieses Dirigentenschwein, das mir die Kuenstlerin partout nicht verkaufen wollte.
Last but not least dann die projektinterne Weihnachtsfeier mit feierlichem Umzug von Engeln, Koenigen und Hirten.
Als Ueberraschung unterhielt eine mexikanische Band. Der hervorragende Frontsaenger konnte den heterogenen Streichersatz im Hintergrund wettmachen.
Jeder Adulto Mayor bekam von Carlotta und mir schliesslich ein kleines Weihnachtspraesent in Form einer solchen Karte mit dem jeweiligen persoenlichen Foto auf der Aussen- und Weihnachtswuenschen auf der Innenseite. So haben sie auch jetzt schon eine kleine Erinnerung an uns.

Am Sonntag geht´s bis Neujahr an die Kueste. Deswegen will ich jetzt schon allen Lesern ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein glueckliches neues Jahr wuenschen! Hasta luego :)








Freitag, 16. Dezember 2011

Al Sur

Irgendwann findet man sich damit ab, dass hier der kuerzere odere laengere Weg von A nach B oder C ueber kurz oder lang sehr sehr lange dauert. Schade ist das oft, denn zumindest in der Sierra verbringt man letztendlich die meiste Zeit einer Reise im Bus, wenn man mehrere verschiedene Orte sehen will und kommodes Reisen schaut anders aus. Aber man kann hier wirklich Geduld lernen, nicht nur im Verkehr: "Wenn man sich um 8 mit einem Ecuadorianer verabredet, weiss man gleich: Treffen ist um halb 9." Ganz so krass ist nicht, aber es geht schon in die Richtung.
Meistens hat die Landschaft aber einiges zu bieten. So konnte ich auf dem Weg nach Guaranda naemlich den majestaetisch in die Hoehe ragenden Chimborazo sehen, mit ca. 6300 m ueber MSL groesster Berg/ (inaktiver) Vulkan des Landes.
Ein kleiner Wintertouch fuer Leute, die diesen hier vermissen.
Manchmal kaum zu glauben, durch welche gigantische Hoehen man hier mit dem Bus faehrt, vorbei an mit der Hoehe immer spaerlicher werdender Vegetation. Die Strecke von Ambato nach Guaranda erreicht laut Reisefuehrer voruebergehend ca. 4000 m ueber MSL.

In Guaranda angekommen, der Indio Guaranga als beeindruckendste Sehenswuerdigkeit waehrend meiner Schnellstadtbesichtigungstour, der sich oberhalb der Stadt ueber dem gleichnamigen Museum befindet.
Am Plaza Central kommt abends Vorweihnachtsstimmung auf- dank der sich bewegenden leuchtenden Rentieren und der mit farbenfrohen Lichterketten geschmueckte Palmen...und wegen der recht frischen Temperaturen. Nach Sonnenuntergang schwitzt man in der Winterjacke nicht. Guaranda liegt ziemlich hoch und wir befinden uns laut den Einheimischen gerade im "Winter", also der Regenzeit. Tatsaechlich regnet es haeufiger und es ist oft kaelter. Da lob ich mir mein warmes Ibarra, in dem man auch in diesen Tagen meistens trotzdem im T-Shirt rumlaufen kann.
Dieses Jahr ist uebrigens Premiere fuer dieses Kunstwerk.

Durch meine tollen Kontakte kenn ich einige Leute in Ecuador, bzw. kann neue kennenlernen und plan daher meine Ausfluege meistens so, dass ich diese besuchen kann.
Ein Hausbesuch der anderen Art. Teilweise sind die extremen Gegensaetze zwischen den sozialen Schichten echt frapierend, die mir durch solche Erlebnisse auf der einen Seite und das, was ich durch meine Arbeit oft sehen muss, auf der anderen Seite in krassem Ausmass bewusst werden.

Meine Reiseroute fuehrte mich weiter durch die Provinz Bolívar nach Salinas, einem kleinen behaglichen Ort mit gutem Ausblick auf die umliegende Berglandschaft.
Salinas ist bekannt fuer Kaese, Schokolade und andere Lebensmittel, die dort produziert und verkauft werden.

Saemtliche Koestlichkeiten hab ich als Mitbringsel fuer meine Gastfamilie erstanden. Ich hab dann natuerlich auch mitgegessen- ein wahrer Gaumenschmaus, vor allem der "Salinerito"- Kaese, der unter den guten europaeischen Kaesesorten seinesgleichen sucht und einen einmal mehr das dortige Essen vermissen laesst.  

Durch den Plan, auch den Mann einer meiner Gastschwestern zu besuchen, liess ich mich auf das Abenteuer Simiatug ein, immer tiefer oder eher hoeher in die Anden. Langsamkeit der Fortbewegung, Kaelte und Hoehe bekamen dort immer wieder andere Dimensionen. Die Spanische Sprache bringt die Empfindungen da oft auf den Punkt: "Qué frío! Qué lento! Qué alto!"
Man lebt auf dem Land oft auf engem Raum mit den Tieren zusammen.
Unter den Bewohnern des Dorfes bin ich mir ziemlich als Ausserirdischer vorgekommen. Die Anbindung an die naechsten Zivilisationen ist sehr schlecht und ich kann mir nicht vorstellen, dass sich sonst schon einmal ein Gringo dorthin verirrt hat; durch meine Kontakte schlag ich touristenuntypische Wege ein. 
Wegen dem hohen Anteil an indigenen Einwohnern wird auch recht viel Quichua gesprochen. Ich konnte ein paar Brocken davon lernen. Mal schaun, wie weit ich damit noch kommen werd.
Es herrscht fast an Winterdeutschland anmutende Kaelte, aber an Heizungen ist gar nicht zu denken. Auch ansonsten fehlt es an so vielem. Im Regen und Nebel ist es draussen ungemuetlich, aber die Haeuser bieten keinen wirklich davor schuetzenden Rueckzugsort. Aus dem Komfort-Leben in Guaranda raus also das pure Kontrastprogramm, eine schlimme, wenn auch interessante Erfahrung.
 
An- und Abreise gingen ueber nasse holprige Schottergebirgspaesse durch dichten Nebel, wohl nie schneller als 30 km/h und stets nah am tiefen Abgrund entlang. Bei der Fahrt von Simiatug nach Ambato ueberquerten wir quasi vollstaendig einen 4000er.
Wenn Gegenverkehr kommt, wird´s in jeglicher Hinsicht eng. Duch waghalsige Ausweichmanoever haut´s aber letztendlich doch irgendwie hin.
Oder auch nicht…sehr beruhigend!
Der Bus vor uns hat es anscheinend nicht geschafft.
Vorne beim Fahrer haengt der Rosenkranz, es wird schon alles gut gehen. Und mit der Zeit wird man auch so “tranquilo” wie meine ecuadorianischen Mitfahrer.


 

Samstag, 10. Dezember 2011

Los geht´s!

Zwei intensive Arbeitstage im Haus von der Juana liegen bereits hinter uns. Und es geht erstaunlich schnell voran. Wo die Ecuadorianer in manch theoretischen Belangen eher zoegerlich sind, sind sie ueberlegt, zielstrebig und strategisch, wenn es um´s Hand anlegen geht. Ich hab auch das Gefuehl, dass hier jeder zumindest ein bisschen Ahnung von handwerklichen Grundregeln hat, weil sie zuhause vieles aus eigener Kraft erledigen.
Vom Dach wurden die Ziegelsteine komplett abgenommen, um dann wieder optimaler angeordnet zu werden, sodass keine Loecher mehr vorhanden sind, ausgefuehrt von einem dynamischen Handwerkertrio, bzw. -quartett.
Die zwei Maenner auf dem Bild sind die einzigen Leute, die fuer ihre Arbeit ein Entgelt verlangen, im Durchschnitt ca. 15 $ fuer den ganzen Tag. Alle anderen Personen des Ensembles, bestehend aus drei Architekturstudenten, einem Ingenieur, einem Handwerksmeister, einem Sohn und einem Bekannten von der Juana, Carlotta und mir, arbeiten ehrenamtlich.
Arbeiten auf der gegenueberliegenden Seite des Dachs.

Wahrenddessen wurde das komplett ausgeraeumte Schlafzimmer grundgereinigt oder besser entstaubt. Wer sieht, was in der Luft so rumfliegt, kann sich ausmalen, wann es das letzte mal gemacht worden ist.
Schlimm auch, wie ungesund es sein muss, da auf Dauer zu wohnen. Ich musste meinen Schal als Mundschutz benutzen, um den antiken Staubansammlungen Herr werden zu koennen.
An anderer Stelle wurden die Flaschen mit destilliertem Wasser und Chlor befuellt und in die Alubleche eingesetzt, die jetzt an manchen Stellen die Ziegelsteine ersetzen.
Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Wenn die Sonne hier im Zenit von draussen auf die Flaschen brennt, gluehen die schon maechtig gewaltig. In Kombination mit der neu installierten Gluehbirne, die jetzt mittiger haengt und viel staerker als die alte leuchtet, schon eine deutlich erkennbare Aufhellung des Raums.

Der Boden wurde durch eine Zementschicht geebnet. Als naechstes sind die Waende dran, die verputzt werden und gegen Feuchtigkeit resistent gemacht werden sollen.
Die Vorbereitungen fuer den Kanal hinter dem Haus sind auch schon im Gange.
Am Dienstag geht´s weiter. Wenn wir Glueck haben, koennen wir da schon fertig werden. Ich halt euch auf dem Laufenden.