Donnerstag, 7. Juni 2012

Ein Umzug

Don Enrique ist ein sehr netter Mensch. Er stellte uns immer wohlwollend seinen Kleinlaster zur Verfuegung und sich selbst und seine helfende Hand. Wir fuhren mit dem geduldigen Enrique schon Matratzen aus und als es um den Umzug von Ester und Jaime ging war er auch zur Stelle.
Mittlerweile wohnen sie jetzt also dort auf dem Grundstueck des Don Galo, im Suedosten von Ibarra, in "La Primavera", abgeschieden vom Stadtkern, aber unter guten Bedingungen, in einem hellen trockenen Zimmer und mit Klo und Dusche. Anders als frueher, ganz anders!
Man will immer meinen, dass die Beduerftigen jede kleinste Hilfe mit Handkuss und grosser Dankbarkeit annehmen und auch Jaime und Ester nichts lieber wollten, als so schnell wie irgendwie moeglich ihre immer mehr verfallende Herberge zu verlassen; aber z.B. hatte ich auch bei der Matratzenverteilung das Gefuehl, dass manche in ihren schlimmen Verhaeltnissen und all ihrem Verdruss aufhoeren, ueber ihre prekaere Lage zu reflektieren und immer mehr im Elend versumpfen, sich sogar eher die, denen es eigentlich verhaeltnismaessig besser geht, ueber Hilfe freuen, weil sie sich ihren Beduerfnissen noch mehr bewusst sind.

Bei Ester und Jaime war es wie so oft nicht leicht. Wir hatten schon einige Male mit ihnen ueber die Moeglichkeit des Umzugs gesprochen und sie willigten nach und nach ein, zoegernd, immer voll von etlichen nicht nachvollziehbaren Bedenken. Vor allem Ester meinte, sie haette sich so gut eingelebt, usw. Es sind nun eben aeltere Menschen, fuer die es oft wahnsinnig schwierig ist, sich auf irgendwelche Aenderungen einzulassen, die stark in ihren Gewohnheiten und Ritualen verwurzelt sind und fuer die es sehr schwer ist, daraus auszubrechen. Wir sehen dann meistens nur die Verbesserungen durch das Neue, fuer sie kommt die dafuer notwendige Umstellung dazu, die anstrengend und belastend ist.
Ester kam eine Zeit lang nicht mehr ins Projekt und wir besuchten sie bei ihr daheim, um mit ihr zu reden. Ich war schon einmal in dem maroden Bau in Atuntaqui, ein paar Kilometer suedlich von Ibarra, gewesen. Es war grauenvoll, aber dieses Mal schockierte es mich noch mehr. Begruesst wurde man von Ratten und Bottichen mit altem verdrecktem Wasser, auf dem Weg in das Zimmer, in dem man sich pausenlos um den Zustand von Boden und Decke Sorgen machen muss. Es waren vielleicht 5 Minuten und ich war danach von oben bis unten von Floehen zerstochen, obwohl ich am ganzen Koerper bedeckt war. Ein Leben dort tagein, tagaus kann man sich gar nicht vorstellen. Aber zumindest konnten wir das erreichen, was wir wollten: Sie von der Idee vollends ueberzeugen, bzw. ihnen die feststehende Entscheidung uebermitteln, dass wir mit einem riesigen finanziellen, zeitlichen, emotionalen und solidarischen Einsatz fuer sie ein Zimmer gebaut haben, das es zu nutzen und wertschaetzen gilt. Zu ihrem Glueck zwingen mussten wir sie nicht, aber ihnen ein wenig dazu verhelfen.

Eigentlich war es nicht viel, das es zu transportieren galt, aber wie so viele andere aus dem Projekt klammerten sie sich an allen noch so alten, vermeintlich nutzlosen Gegenstaenden fest, als wir zum Ausraeumen anrueckten.
 Hier in der Mitte sieht man Jaime.

Wieder Jaimito


Wir luden Enriques Kleinlaster voll und in "La Primavera" wieder aus,



raeumten das neue Zimmer ein,


das wohl nie ganz den Eindruck eines Provisoriums verlieren wird, weil es einfach an Moebeln fehlt und all ihre Habseligkeiten in Kartons verstaut sind.


Aber es ist so eine grosse Verbesserung! Sie koennen nun in einem hellen, freundlichen, trockenen Zimmer leben mit gutem Dach, verschliessbarer Tuer, Fenster und Bad. Ausserdem wohnen sie deutlich naeher am Projekt.
                                                                             Ester


Fuer das Fenster haben wir schon einen schoenen Vorhang gekauft, der nur auf diesem Foto noch nicht zu sehen ist.

Das andere kleine Zimmer steht leider noch immer leer. Wir zogen etliche Personen in Erwaegung, aber leider wuerden fuer viele trotz der damit erhoehten Lebensqualitaet die "Strapazen" und Widrigkeiten der Umstellung und Anpassung ueberwiegen.  Doch das Projekt hat damit eine gute Moeglichkeit in petto, die hoffentlich nicht mehr lange ungenutzt bleibt!

Sonntag, 27. Mai 2012

Arequipa y Cañón del Colca

In Arequipa ankommen war schon fast so etwas wie heimkommen, was vielleicht daran lag, dass es eine meiner letzten Reisestationen war, nach so manchem Abstecher ins Weite eine riesige Grossstadt, nach Bolivien und Chile wieder Peru und- der wohl entscheidenste Grund- dass ich dort wieder Freunde hatte, zu denen ich gehen konnte.
Arequipa ist nicht nur gross (zweitgroesste Stadt Perus nach Lima), sondern auch wirklich schoen.
Die etlichen Vulkane aus der Umgebung schleuderten in all den Jahren einen sog. weissen Tuffstein Richtung Stadt, der dann natuerlich dankbar als Baustoff verwendet wurde und das Gesamtbild deutlich praegt. Arequipa traegt auch den Titel "ciudad blanca" (weisse Stadt), den meiner Meinung nach nur Ibarra wirklich verdient hat.
Einen vollstaendigen langen angenehmen Tag war ich dort unterwegs, mit der sehr netten Begleitung einer Freundin, die mich durch den riesigen Gebaeudekomplex ihrer Uni fuehrte, an alle moeglichen Orte, durch Strassen wie diese,


die so etwas positiv pulsierendes haben, ein geordnet wirkendes geschaeftiges Treiben im Gegensatz zum mancherorts erlebten lateinamerikanischen Chaos.
Es mag wieder nur so eine Fassade sein, das nach aussen praesentierte Bild, das von den ganzen Problemen am Rande ablenkt, aber der Stadtkern hat wirklich Stil.


                                                                 Plaza de Armas


Es ist so ueblich, dass man als Passant dort die Tauben fuettert. Ich stellte mich wohl irgendwie ungeschickt an und wurde von einem riesigen Schwarm ueberfallen.



Wer zu viel Geld hat, kann in einer dieser netten Gassen zum Essen gehen.


Ich war sehr froh um den Geheimtipp meiner Freunde, die mich zum besten typischen "comida arequipeña" ausserhalb der Stadt brachten. Es ist recht beruehmt, beruehmt fuer seine Schaerfe und mein Mund brannte schon ziemlich nach den (aber sehr leckeren) fleischgefuellten Paprika mit Kartoffelkuchen.


Nach dem Namen der Stadt faellt auch sehr bald das "Monasterio Santa Catalina", bauwerklich gesehen ein Juwel aus dem Mittelalter, nicht nur ein Kloster, eher eine kleine Stadt in der Stadt. Es war damals elitaer bis zum geht nicht mehr mit rigoroser Selektion der Bewerberinnen nach Herkunft und sozialem Stand, wie sie unchristlicher nicht haette sein koennen.
Aber als eine der wenigen Nonnen, die aufgenommen wurden, konnte man es innerhalb dieser Mauern sicher gut aushalten, in dieser eigenen neuen Welt. Mir kam es so vor wie ein beschaulicher Fluchtort im angsteinfloessenden Suedamerika...
Silencio!

Es regnete gerade in Stroemen und ich huschte von einer Ueberdachung zur naechsten, ganz ueberwaeltigt von all den tollen Farben.



                                              Nachts wird´s da sicher ziemlich gruselig.


                                       Calle Sevilla steht da an der Mauer. Ja, eine kleine Stadt.

                                                                   Auf den Daechern

Die Arequipeños leben schon in einer wirklich besonderen Stadt, bilden sich darauf aber sehr viel ein. Am Jahrestag der Stadtgruendung kennen sie sich vor lauter Stolz kaum noch mehr. Bei der Ernennung ihrer Altstadt zum Weltkulturerbe oder der Seligsprechung der ehemaligen Priorin von Santa Catalina sind sie natuerlich halb ausgeflippt. Und wenn dann Mario Vargas Llosa als Sohn der Stadt auch noch den Literaturnobelpreis gewinnt...Ich kaufte mir gleich ein Buch von ihm.

Dann gaeb es da noch Bilder von verschiedenen Kirchen, aber, so gut es mir das alles auch gefiel, sind es doch oft gerade die eher unspektakulaeren, alltaeglichen, auch skurrilen, abstossenden Dinge, die einen so anziehen, Menschen, Leben, das Kantige, Dinge, die man schwer beschreiben kann, mehr als Besichtigungen von Bauwerken, die in aehnlicher Form auch in Europa stattfinden koennten.
Deswegen wuerde ich trotz all der besonderen Sehenswuerdigkeiten den Abend als Hoehepunkt sehen, an dem ich im Haus meiner Freunde fuer die gesamte Familie Spaghetti mit Tomatensauce kochte und wir uns so herrlich koestlich amuesierten, Momente hautnah am peruanischen Leben unter peruanischen Menschen.
Davon hab ich leider keine Fotos. Ich war mit Kochen oder Essen beschaeftigt.
Es ging mir wirklich gut in diesen Stunden. Ich war nur muede und hatte mich aus Schlafgruenden gegen die Trekking-Tour, die meine Nacht noch mehr verkuerzt haette, und fuer eine normalere Tour in den Cañón del Colca entschieden. Wieder stieg ich in einen Bus und wartete darauf, mit wem ich wohl diesmal unterwegs sein wuerde. Keine grossen Ueberraschungen: Franzosen, Peruaner, Chilenen. Die Unterhaltungen mit den Chilenen waren eine Haertepruefung fuers Spanisch. Sie sprechen schnell, ungewohnt, schwer verstaendlich anders, sie sagen selbst eher Chilenisch als Spanisch. Doch nach fast einem halbem Jahr Sprachpraxis geht sogar das irgendwie.



Wieder waren es die wahnsinnigen Landschaften, die meine Muedigkeit und Erschoepftheit ein bisschen vertreiben konnten. Gegen die Kaelte half wenig, der Coca- Tee waermte ein bisschen.
Auf dieser Tour war es diesbezueglich am ungemuetlichsten. Teilweise war ich nicht mal so hoch wie in Puno oder Copacabana, aber es ging immer ein eisiger Wind, als wir ausstiegen, z.B. um Alpacas anzuschaun. Hier mit einem all dieser Vulkane im Hintergrund, Misti oder Ampato, ich weiss es nicht mehr genau.



Solche Bilder aus der Gebirgswueste sind halt einfach voll und ganz Peruperu!

Spaeter kam die Eiseskaelte ganz klar von der Hoehe. Die Strecke (die asphaltierte Strecke wohlgemerkt) erreicht einmal den 4900 m hohen Pass Patapampa.

Damit brach ich meinen Hoehenrekord vom Cotopaxi. Es war auch wohl das erste mal in meiner gesamten Zeit, dass es bei mir kaelter war als daheim in Deutschland. Zwei Tage davor schwitzte ich noch in Arica und dann stapfte ich durch den Schnee. So dermassen unmittelbar extrem hatte ich die Unterschiede vorher auch nicht erlebt.

In einem kleinen Ort namens Chivay sollte die Nacht verbracht werden, der nur fuer die Leute interessant ist, die frieren wollen. Es war unglaublich! Mein Hotelzimmer war mehr ein Kuehlschrank als ein Zimmer.
Gott sei Dank machten wir einen kleinen Abstecher zu heissen Quellen. Dort traf ich einen sehr netten Brasilianer. Wie so viele seiner Landsleute, die ich getroffen hatte, kam er von sich aus auf mich zu mit seiner  netten offenen interessierten Art und einem perfekten Spanisch. Tolle Begegnungen waren das!

Folklore- Tanz am Abend. Ich kam wieder einmal nicht aus und tanzte munter mit.

Die tanzenden Kinder am naechsten Tag in Yanque taten mir leid. Es sind die Touristenloecher, in denen es nur darum geht, ihnen einen Groschen aus der Tasche zu locken, mit dem man ihnen aber nicht hilft.


Schliesslich waren wir da, am riesigen Tal, mit seinen ueber 3200 m einer der tiefsten Canyons der Welt, wo im Tal der Río Colca fliesst und darueber die Kondore gleiten, die man vom beruehmten Cruz del Condor bewundern koennen sollte.
Zuerst hatten wir kein Glueck.

Spaeter klarte es dann an anderer Stelle auf und es bot sich der ersehnte Anblick, der allein die Tour schon wert war.




Andere Leute packten ihre riesigen Fotografiermaschinen aus. Mit meinen technischen Moeglichkeiten konnte ich sie noch in dieser Groesse und Schaerfe erwischen, die Kondore, wie sie da majestaetisch erhaben schweben...                                                                                                                                                 

Samstag, 12. Mai 2012

Ueber Nacht nach Chile

Peru ist gross. Ungefaehr dreimal so gross wie Deutschland, die Entfernungen weit und die Reisegeschwindigkeit gering. Um von A nach B zu kommen, braucht man meistens entweder einen ganzen Tag oder eine ganze Nacht.
Die bitterkalte Dunkelheit hatte Puno bereits heimgesucht und es siegte die Vorsicht ueber die Vorteile einer in Peru nur bedingt zu empfehlenden Ueberlandfahrt bei Nacht. Es war Ostersonntag und ich goennte mir lieber eine Nacht im Hotel und eine Familienpizza, die aber eher die Groesse einer Kinderpizza hatte und mich nicht satt machte. Dazu kamen die eigentlich schon laengst zu erwartenden Beschwerden der Hoehe, worueber man sich nicht zu wundern braucht, wenn man im Eiltempo in fast 4000 m MSL auf zwei Berge raufspurtet. Einige Augenblicke lang fuehlte ich mich so ungut, dass ich sogar mein Chile-Projekt in Frage stellte, sah es aber dann als vorteilhaft an, von den luftigen Hoehen in tiefere Gebiete zu fahren, Richtung Kueste.
Rein also in den Bus nach Tacna, dem letzten peruanischen Grenzort, am besten in den allerersten in der Frueh, um ja moeglichst bald anzukommen. Ich wollte nicht auf eine spaetere komfortablere Transportmoeglichkeit warten.
Schnell erwies sich meine Entscheidung als unguenstig; da die normalen Busse in jedem kleinsten Ort anhalten, um Leute aufzugabeln,  braucht man entsprechend laenger und laenger fuer die eh schon sehr lange Strecke.
Es gab einen Teil waehrend der Fahrt, da ging es durch das schiere Nichts, durch spektakulaerste Natur.

Eine Zeit lang konnte ich mich an der vorbeiziehenden Landschaft begeistern, mit dem staendigen Hintergedanken, dass es frueher oder spaeter im Westen vom Altiplano runtergehen muesse. Und irgendwann fing ich an, darauf zu warten, dass die Bergszenerie allmaehlich verschwindet. Doch die Berge blieben und blieben.
In all der Zeit wurde meine Toleranz gegenueber langen Fahrtzeiten immer groesser, aber diesmal verlor ich irgendwann einfach die Geduld. Es kam da mehr zusammen: Muedigkeit, Probleme mit der Hoehe, stickige Luft im uebervollen Bus, die Tatsache, dass er staendig wegen irgendetwas anhalten musste, wegen landwirtschaftlicher Kontrollen auf mitgefuehrtes Obst, Polizeikontrollen, Aufgabeln und Absetzen von Leuten...
Dann mit der offensichtlich immer groesseren Verspaetung kamen auch Bedenken, was ich denn nach Einbruch der Dunkelheit in Tacna machen sollte, in der Nacht allein in einer suedamerikanischen Grossstadt, von der ich nichts wusste, mit dem eigentlichen Plan, am selben Tag noch ueber die Grenze nach Chile zu fahren. Doch wie es das Glueck oder der Zufall so will, traf ich einen Deutschen und einen Chinesen, die beide in Chile wohnen bzw. gewohnt hatten und gerade auf der Rueckreise von Peru waren. Es tat gut, mit zwei mit dem gleichen Plan unterwegs zu sein, die auch noch die gleiche Ueberlegung bzgl. der Busse getroffen hatten. Sie hatten genauso wie ich ueberlegt und nahmen den ersten Bus, um schon am Nachmittag ueber die Grenze zu kommen. Irgendwann bemerkten wir, dass der luxurioese Bus, der Puno satte drei Stunden spaeter verlassen hatte, mit uns gleichauf war. Wie man denn dermassen viel Zeit verlieren konnte?
Solche unglaublichen Aktionen wie die in Moquegua, nicht mehr allzu weit vom Ziel entfernt, bei denen ich ich fast die Fassung verlor, gaben mir die Antwort.
Einerseits ist es ja durchaus positiv, wenn es die Moeglichkeit gibt, mit oeffentlichen Verkehrsmitteln seine Habseligkeiten an jeden x- beliebigen Ort hin zu transportieren, z.B. gefuehlte 10000 Eierkartons. Aber wenn sogar die Einheimischen anfangen, ungeduldig zu werden und sich zu beschweren, dann ist es ein Zeichen, dass man innerlich schon ein bisschen brodeln darf und ich tat es, spaetestens nach 20 Minuten Eierkartons Ausladen, doch beim zweiten Gedanken sah ich ein, dass wer von A nach B will und A sagt, auch B sagen und solche ewigen Zeitverzoegerungen ueber sich ergehen lassen muss. Und warum ich das so ausfuehrlich beschreib, ist doch auch, weil manchmal der Weg das Ziel ist und man dort Dinge erlebt, die dann doch unheimlich amuesant und interessant, wenn auch sehr nervig sind...

Irgendwann aenderte sich das Bild schliesslich, wir erreichten die im Sueden Perus sehr trockene Costa...Wueste! Es sind die Auslaeufer der chilenischen Atacama-Wueste.

Und weitere laeppische Stunden spaeter dann Tacna. Ich war so froh um meine Bekanntschaften, die beide fest entschlossen noch am Abend nach Arica in Chile wollten, denn ich weiss nicht, ob ich es allein gemacht haette. Wir erfuhren, dass die Grenze noch offen hatte und es war mir wesentlich lieber, ueber Nacht da rueber als allein durch Tacna tigern zu muessen. 

Nach ein paar weiteren Stunden Weg und Formalitaeten an der ersten wirklich strengen, aber anscheinend ziemlich sicheren Grenze (wir fuhren mit dem Taxi, wovon sonst eigentlich immer dringend abgeraten wird) war es fuer die anderen zwei Rueckkehr in ihre zweite Heimat, so wie bei mir Ecuador. Fuer mich war alles neu. Alles, was ich von Kolumbien/Ecuador/Peru/Bolivien gesehen hab, war im grossen und ganzen aehnlich, nur einzelne Aspekte staerker oder schwaecher ausgepraegt. 
Aber Chile war voellig anders! Man merkt sofort, dass es wirtschaftlich wesentlich besser dasteht als seine Nachbarlaender. Chile wird die Schweiz Suedamerikas genannt, das BIP ist ca. doppelt so hoch wie das von Peru und ca. viermal so gross wie in Bolivien.
Es gibt Wohnsiedlungen, die genauso gut in Europa oder den USA stehen koennten und gute Strassen, sobald man die Grenze passiert hat. Da heisst es dann gleich: "Santiago, 2000 und noch was km", denn aufgrund der Form des Landes gibt es so gut wie nur eine unendlich lange Hauptstrasse. 
Unsere Odyssee ging noch weiter, als wir bis spaet in der Nacht in Arica ein Hotel suchten. Mit der Zeit wurden wir ein gutes Trio. Wir unterhielten uns auf Englisch beim gemeinsamen Abendessen und es freute mich, mal wieder Englisch reden zu koennen zwischen all dem staendigen Spanisch. Am naechsten morgen trennten sich unsere Wege. Meine Freunde aus Deutschland und China mussten nach Santiago und von da aus zurueck in die Heimat. Ich wollte mich vorher noch ein bisschen in Arica umschauen, anschliessend dann wieder nach Tacna und weiter nach Arequipa. Viele fragten mich, warum ich unter ziemlichem Stress nur kurz in die verschiedenen Laender reinschaue, anstatt ein Land richtig zu machen. Aber man bekommt immer einen so interessanten Eindruck in das Land und bei Chile war es ein so gaenzlich unterschiedlicher Anblick. In Arica kam ich mir nicht mehr wie in Lateinamerika, sondern eher wie in einer Stadt im Sueden der USA vor, wegen der guten Infrastruktur und weil es so gut wie keine Relikte aus der Kolonialzeit gibt. In allen anderen Orten, die ich kennengelernt hab, stiess ich immer zumindest auf eine Kirche oder einen historischen Platz, aber Arica wirkt ziemlich modern, sauber, nicht so chaotisch wie die anderen Laender.
Fussgaengerzone in der Innenstadt

Und das tolle Klima! Weil es in der Wueste liegt, regnet es fast nie und statt der unertraeglichen Hitze wie an der ecuadorianischen Kueste ist es angenehm trocken heiss. Ich wachte am naechsten morgen auf und freute mich ueber ein Wetter, wie ich es mir in der gesamten Zeit immer gewuenscht hatte, wo man weder frieren noch unmenschlich schwitzen muss. 
War es doch gut, in Erdkunde aufgepasst zu haben, sodass ich mir das dann alles erklaeren konnte. Gemaess der Walker- Zirkulation kommt mit dem Humboldt- Strom eine kalte Meeresstroemung an der Kueste an, die kalte Meeresluft zieht sich zusammen, wird schwerer und sinkt ab. Dadurch bildet sich ein Hoch, das zur Wolkenaufloesung fuehrt und so das aride Klima verursacht... Jejeje :)

 Mein Weg durch die Stadt  






war gleichzeitig auch eine Suche nach dem lang ersehnten Strand! Nach ein paar Sackgassen tauchte er auf.





El mar! Das Meer! 

                                                   Eine Schuelergruppe beim Trainieren.




El desierto! Die Wueste!