Sonntag, 27. Mai 2012

Arequipa y Cañón del Colca

In Arequipa ankommen war schon fast so etwas wie heimkommen, was vielleicht daran lag, dass es eine meiner letzten Reisestationen war, nach so manchem Abstecher ins Weite eine riesige Grossstadt, nach Bolivien und Chile wieder Peru und- der wohl entscheidenste Grund- dass ich dort wieder Freunde hatte, zu denen ich gehen konnte.
Arequipa ist nicht nur gross (zweitgroesste Stadt Perus nach Lima), sondern auch wirklich schoen.
Die etlichen Vulkane aus der Umgebung schleuderten in all den Jahren einen sog. weissen Tuffstein Richtung Stadt, der dann natuerlich dankbar als Baustoff verwendet wurde und das Gesamtbild deutlich praegt. Arequipa traegt auch den Titel "ciudad blanca" (weisse Stadt), den meiner Meinung nach nur Ibarra wirklich verdient hat.
Einen vollstaendigen langen angenehmen Tag war ich dort unterwegs, mit der sehr netten Begleitung einer Freundin, die mich durch den riesigen Gebaeudekomplex ihrer Uni fuehrte, an alle moeglichen Orte, durch Strassen wie diese,


die so etwas positiv pulsierendes haben, ein geordnet wirkendes geschaeftiges Treiben im Gegensatz zum mancherorts erlebten lateinamerikanischen Chaos.
Es mag wieder nur so eine Fassade sein, das nach aussen praesentierte Bild, das von den ganzen Problemen am Rande ablenkt, aber der Stadtkern hat wirklich Stil.


                                                                 Plaza de Armas


Es ist so ueblich, dass man als Passant dort die Tauben fuettert. Ich stellte mich wohl irgendwie ungeschickt an und wurde von einem riesigen Schwarm ueberfallen.



Wer zu viel Geld hat, kann in einer dieser netten Gassen zum Essen gehen.


Ich war sehr froh um den Geheimtipp meiner Freunde, die mich zum besten typischen "comida arequipeña" ausserhalb der Stadt brachten. Es ist recht beruehmt, beruehmt fuer seine Schaerfe und mein Mund brannte schon ziemlich nach den (aber sehr leckeren) fleischgefuellten Paprika mit Kartoffelkuchen.


Nach dem Namen der Stadt faellt auch sehr bald das "Monasterio Santa Catalina", bauwerklich gesehen ein Juwel aus dem Mittelalter, nicht nur ein Kloster, eher eine kleine Stadt in der Stadt. Es war damals elitaer bis zum geht nicht mehr mit rigoroser Selektion der Bewerberinnen nach Herkunft und sozialem Stand, wie sie unchristlicher nicht haette sein koennen.
Aber als eine der wenigen Nonnen, die aufgenommen wurden, konnte man es innerhalb dieser Mauern sicher gut aushalten, in dieser eigenen neuen Welt. Mir kam es so vor wie ein beschaulicher Fluchtort im angsteinfloessenden Suedamerika...
Silencio!

Es regnete gerade in Stroemen und ich huschte von einer Ueberdachung zur naechsten, ganz ueberwaeltigt von all den tollen Farben.



                                              Nachts wird´s da sicher ziemlich gruselig.


                                       Calle Sevilla steht da an der Mauer. Ja, eine kleine Stadt.

                                                                   Auf den Daechern

Die Arequipeños leben schon in einer wirklich besonderen Stadt, bilden sich darauf aber sehr viel ein. Am Jahrestag der Stadtgruendung kennen sie sich vor lauter Stolz kaum noch mehr. Bei der Ernennung ihrer Altstadt zum Weltkulturerbe oder der Seligsprechung der ehemaligen Priorin von Santa Catalina sind sie natuerlich halb ausgeflippt. Und wenn dann Mario Vargas Llosa als Sohn der Stadt auch noch den Literaturnobelpreis gewinnt...Ich kaufte mir gleich ein Buch von ihm.

Dann gaeb es da noch Bilder von verschiedenen Kirchen, aber, so gut es mir das alles auch gefiel, sind es doch oft gerade die eher unspektakulaeren, alltaeglichen, auch skurrilen, abstossenden Dinge, die einen so anziehen, Menschen, Leben, das Kantige, Dinge, die man schwer beschreiben kann, mehr als Besichtigungen von Bauwerken, die in aehnlicher Form auch in Europa stattfinden koennten.
Deswegen wuerde ich trotz all der besonderen Sehenswuerdigkeiten den Abend als Hoehepunkt sehen, an dem ich im Haus meiner Freunde fuer die gesamte Familie Spaghetti mit Tomatensauce kochte und wir uns so herrlich koestlich amuesierten, Momente hautnah am peruanischen Leben unter peruanischen Menschen.
Davon hab ich leider keine Fotos. Ich war mit Kochen oder Essen beschaeftigt.
Es ging mir wirklich gut in diesen Stunden. Ich war nur muede und hatte mich aus Schlafgruenden gegen die Trekking-Tour, die meine Nacht noch mehr verkuerzt haette, und fuer eine normalere Tour in den Cañón del Colca entschieden. Wieder stieg ich in einen Bus und wartete darauf, mit wem ich wohl diesmal unterwegs sein wuerde. Keine grossen Ueberraschungen: Franzosen, Peruaner, Chilenen. Die Unterhaltungen mit den Chilenen waren eine Haertepruefung fuers Spanisch. Sie sprechen schnell, ungewohnt, schwer verstaendlich anders, sie sagen selbst eher Chilenisch als Spanisch. Doch nach fast einem halbem Jahr Sprachpraxis geht sogar das irgendwie.



Wieder waren es die wahnsinnigen Landschaften, die meine Muedigkeit und Erschoepftheit ein bisschen vertreiben konnten. Gegen die Kaelte half wenig, der Coca- Tee waermte ein bisschen.
Auf dieser Tour war es diesbezueglich am ungemuetlichsten. Teilweise war ich nicht mal so hoch wie in Puno oder Copacabana, aber es ging immer ein eisiger Wind, als wir ausstiegen, z.B. um Alpacas anzuschaun. Hier mit einem all dieser Vulkane im Hintergrund, Misti oder Ampato, ich weiss es nicht mehr genau.



Solche Bilder aus der Gebirgswueste sind halt einfach voll und ganz Peruperu!

Spaeter kam die Eiseskaelte ganz klar von der Hoehe. Die Strecke (die asphaltierte Strecke wohlgemerkt) erreicht einmal den 4900 m hohen Pass Patapampa.

Damit brach ich meinen Hoehenrekord vom Cotopaxi. Es war auch wohl das erste mal in meiner gesamten Zeit, dass es bei mir kaelter war als daheim in Deutschland. Zwei Tage davor schwitzte ich noch in Arica und dann stapfte ich durch den Schnee. So dermassen unmittelbar extrem hatte ich die Unterschiede vorher auch nicht erlebt.

In einem kleinen Ort namens Chivay sollte die Nacht verbracht werden, der nur fuer die Leute interessant ist, die frieren wollen. Es war unglaublich! Mein Hotelzimmer war mehr ein Kuehlschrank als ein Zimmer.
Gott sei Dank machten wir einen kleinen Abstecher zu heissen Quellen. Dort traf ich einen sehr netten Brasilianer. Wie so viele seiner Landsleute, die ich getroffen hatte, kam er von sich aus auf mich zu mit seiner  netten offenen interessierten Art und einem perfekten Spanisch. Tolle Begegnungen waren das!

Folklore- Tanz am Abend. Ich kam wieder einmal nicht aus und tanzte munter mit.

Die tanzenden Kinder am naechsten Tag in Yanque taten mir leid. Es sind die Touristenloecher, in denen es nur darum geht, ihnen einen Groschen aus der Tasche zu locken, mit dem man ihnen aber nicht hilft.


Schliesslich waren wir da, am riesigen Tal, mit seinen ueber 3200 m einer der tiefsten Canyons der Welt, wo im Tal der Río Colca fliesst und darueber die Kondore gleiten, die man vom beruehmten Cruz del Condor bewundern koennen sollte.
Zuerst hatten wir kein Glueck.

Spaeter klarte es dann an anderer Stelle auf und es bot sich der ersehnte Anblick, der allein die Tour schon wert war.




Andere Leute packten ihre riesigen Fotografiermaschinen aus. Mit meinen technischen Moeglichkeiten konnte ich sie noch in dieser Groesse und Schaerfe erwischen, die Kondore, wie sie da majestaetisch erhaben schweben...                                                                                                                                                 

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