Mit meinen sieben Sachen stieg ich wieder in so einen langweilig unauthentischen Touristenbus; darin fanden sich aber wirklich interessante Leute. Wieder Argentinier u.a. Nach verschiedensten Bekanntschaften wurde mir bewusst, dass irgendwie alle Argentinier aus Buenos Aires kommen.
Waehrend ich aus dem Fenster schaute, hoerte ich gern den Leuten im Bus beim Sprechen zu. Es macht ziemlich Spass, versuchen, am spanischen Dialekt herauszuhoeren, wo sie denn herkommen. Spanier waren auch dabei.
Bei ein paar anderen Mitfahrern beschaeftigte mich erst ihr auesserst seltsames Spanisch, bis ich merkte, dass es Portugiesisch ist. Brasilianer, mit denen die Verstaendigung etwas schwieriger war.
Durch das Valle Sagrado (Heiliges Teil) sollte es gehen, das so heilig ist/war, weil es tiefer als Cusco liegt und deswegen so fruchtbar ist. Es gibt dort immer Wasser, ganz besondere Pflanzen gedeihen, usw.
Schon schoen!
Es ist hier nicht ganz leicht zu erkennen, aber an jenen Haengen sah ich zum ersten Mal diese ominoesen landwirtschaftlichen Terrassen, ueber die ich vorher schon gelesen hatte. Interessant und eine so intelligente Moeglichkeit der Raumnutzung, an noch so steilen Haengen gerade Flaechen zu schaffen, Bodenerosion zu vermeiden. Uebrigens hat der Name des gesamten Gebirges der Anden darin seinen Ursprung. Anden ist Spanisch fuer Terrasse.
Das gleiche Prinzip erkennt man auch bei den Ruinen von Pisac.
Von diesen saemtlichen Ruinen aus hat man immer eine gute
Aussicht, weil sie immer irgendwo oben gebaut wurden, um einen bestimmten Zweck zu
erfuellen. Diese kleinen Loecher waren Graeber, in denen man wegen des
kaelteren Klimas gut Leichen konservieren konnte.
Ich hatte immer Angst, meine Gruppe zu verlieren, weil ich allein kreuz und quer herumwanderte, um im besagten
zuegigen Schritttempo so viel wie moeglich zu sehen, um dort all diese viel zu
vielen Fotos zu machen und mir ueber unseren Treffpunkt nicht immer voellig im
klaren war.
Aber irgendwie sah ich dann Gott sei Dank immer einen von
den Argentiniern, Spaniern oder Brasilianern, genauso wie im behaglichen Dorf
Pisac, wo ich die freie Zeit bis auf den letzten Druecker ausnutzte, am Markt
oder beim Empanadas-Essen.
Mhm, waren die gut! Ich lieb ja die Empanadas von meiner
ecuadorianischen Gastmutter, mit denen fast keine anderen mithalten koennen,
aber die waren auf eine andere Art spitzenklasse. Da gab es so ein Ehepaar, die
holten die immer wieder frisch aus dem Ofen. Ich kaufte mir welche und dann
gleich nochmal und nochmal welche, bis ich wirklich gehen musste. Aber die
Brasilianer konnten sich ja auch nicht loseisen...
Dann weiter? Wieder Ruinen, ja. In Ollantaytambo. Ich frag mich gerade, warum ich neben Steinueberresten und Landschaften nicht mehr Fotos von Menschen hab, aber da ist das, um was es sich in der Gegend dreht, diese Inka- Relikte. Es ist grausam touristisch und fuer die Einheimischen geht es meist auch nur darum, aus dem Tourismus irgendwie irgendeinen Profit zu schlagen. Alle 2 Meter stolpert man ueber irgendwelche Souvenirstaende, auch ueber Erwachsene und Kinder, die ihre Sachen unermuedlich mobil an den Mann bringen wollen und Frauen mit Lamas, mit denen man gegen ein Entgelt auf einem Foto posieren kann. Teilweise flehen sie einen fast schon an, dass man sich doch eine Muetze oder einen Schal mitnehmen soll. "Llevate amigo!" Vielleicht schaffte ich es deswegen kaum, in den Doerfern Fotos zu machen.
Ollantaytambo, wieder ein huebscher kleiner Ort, von dem ich keine Bilder hab und eben die Ruinen, wieder solche Terrassen mit einem Tempel im oberen Teil, der wegen der spanischen Eroberung nie vollendet werden konnte. Ja, es ist alles irgendwie aehnlich. Aber Ollantaytambo fand ich am beeindruckensten von all den Ruinen bisher.
Hier das Dorf zumindest von oben.
Terrassen
Meisterwerke der Kommunikation. Der Fuehrer schlug einmal auf einen Stein und der Laut ertoente deutlich vom Berg ein gutes Stueck entfernt.
Von dort aus hatte ich meinen Zug zum Machu Picchu gebucht, verliess die Gruppe und wartete auf die Abfahrt. Es war das erste mal fuer mich in Suedamerika, mich in diesem Verkehrsmittel zu bewegen. In den meisten Gegenden ist kaum ein funktionierendes Schienennetz vorhanden und wenn, dann ist der Zug kein ernst zu nehmendes Fortbewegungsmittel, sondern dient meistens nur fuer Lustfahrten von Sonntagsausflueglern.
Mit Perurail fahren auch nur die, die zum Machu Picchu wollen, denn es ist einfach kriminell ueberteuert, nicht nur der Zug, auch der Bus dann spaeter, den man noch nehmen muss, wenn man nicht 2 Stunden gehen will und obendrein der Eintritt. Ich dachte mir, das alles muss doch wirklich eine sehr wertvoller gewichtiger Teil der peruanischen Wirtschaft sein, aber, wie ich spaeter erfuhr, sind das alles chilenische Unternehmen, wie auch Perurail, wie der Name ja wirklich nicht sagt.
Beim Einstieg traf ich einen Brasilianer aus São Paulo, der dann zufaellig seinen Platz genau neben mir hatte und mit dem ich sehr interessante Gespraeche fuehrte. Er wusste so ungefaehr von jedem Land der Welt die genaue Einwohnerzahl und Flaeche in km² auswendig und erzaehlte mir viel wissenswertes ueber sein Brasilien. So war die Fahrt auch einigermassen kurzweilig. Ich verweilte noch eine Nacht in dem "Machu Picchu- Dorf" Aguas Calientes, in dem es alles gibt, nur warmes Wasser nicht, und brach dann in aller Hergottsfrueh zum wirklich entgueltigen Punkt der unvermeidlichen Machu Picchu- Odyssee auf.
Ich kam mit einer riesigen Erwartungshaltung an, die eigentlich nur enttaeuscht werden konnte, aber es war dann doch so toll, dass sie es nicht wurde. Doch erfuellt wurde sie auch nicht.
Am Anfang war alles noch so geheimnisvoll in Nebel gehuellt
und dann tauchten so langsam der Berg und die Ruinen auf.
Das waren wirklich tolle Momente! Eigentlich wollte ich auf
den Huayna Picchu (junger Berg, Machu Picchu- alter Berg) raufklettern, aber das lassen sie taeglich nur eine bestimmte Personenzahl und wegen der Semana Santa
war schon alles voll.
Der Machu Picchu ist u.a. deswegen so bedeutend, Weltwunder,
usw., weil es die best erhaltenste Inka-Stadt ist. Denn die Spanier hatten den Ort
nicht entdeckt und erst seit ca. 100 Jahren ist man sich seiner Existenz
wirklich bewusst.
Die einzelnen Teile haben klanghafte Namen, wie "Haus des
Grabfelsenverwalters", "Haus des Terrassenverwalters", "Palast der Prinzessin"
oder "Tempel der Sonne". Es ist nicht ganz leicht zu erkennen, wo die einzelnen
Viertel/Teile aufhoeren und die naechsten beginnen. Ich hatte etwas zum Nachlesen dabei, war aber ohne Fuehrer unterwegs und genoss das Rumschlendern
alleine, liess mir Zeit und nutzte gemuetlich die Morgenstunden, in denen noch nicht
ganz so viel los war.
Spaeter dann, als die Mengen anstuermten, ging ich noch zur Inka- Bruecke, die, seitdem ein US-Amerikaner dort einmal toedlich abgestuerzt ist, nicht mehr betreten werden darf. Von hinten hoerte ich den passenden Kommentar: „Wow, that looks fucking dangerous!“
So nah wagte ich mich noch heran, mich an dem einzigen Seil festklammernd.
Spaeter dann, als die Mengen anstuermten, ging ich noch zur Inka- Bruecke, die, seitdem ein US-Amerikaner dort einmal toedlich abgestuerzt ist, nicht mehr betreten werden darf. Von hinten hoerte ich den passenden Kommentar: „Wow, that looks fucking dangerous!“
So nah wagte ich mich noch heran, mich an dem einzigen Seil festklammernd.
Am Schluss war ich einfach so fertig von dem stundenlangen
Rumlaufen und legte mich ins Gras. Es ist schon ergoetzend, da mit dem
Machu-Picchu-Motiv im Blick in der Sonne zu laessen...
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