Gestern waren wir bei einem Ehepaar, das in einem Randteil der Stadt mehr oder weniger in der Wildnis lebt.
Allein der Weg zum Haus ist schon abenteuerlich und fuehrt ueber Stock und Stein:
Dieser einzig vorhandene Weg von ihrem Haus in die Zivilisation geht ueber diesen Steinbruch. Wenn es regnet- haben sie uns berichtet- ist schnell alles ueberschwemmt und unpassierbar, die armen somit von der Aussenwelt ausgesperrt.
Noch schockierender ist die Tatsache, dass es in dem Haus einfach kein Klo, bzw. Bad, geschweige denn ein Abwassersystem gibt, was zudem auch so schwierig zu installieren ist! Sie verfuegen lediglich ueber einen Hahn, ueber den sie mit einem Art Gartenschlauch Wasser zum Waschen und Kochen beziehen.
Die Verhaeltnisse in einem anderen Haus, das wir dann am abend noch mit einer groesseren Gruppe besichtigt haben, waren nichts als entsetzlich und mit das schlimmste!12 Menschen in drei Generationen wohnen in einem Winzighaus, das nur aus drei Zimmern plus Kueche und Bad besteht. Ein aelterer Herr, der ab und an das Projekt besucht, lebt mit seiner Frau und seiner Enkelin auf wenigen Quadratmetern. Er hat uns von dem traurigen Schicksal seiner Enkelin erzaehlt. Sie ist 13, leidet unter einer schweren koerperlichen und geistigen Behinderung und ihre Eltern haben sich nach ihrer Geburt einfach davongemacht. Die Grosseltern kuemmern sich um sie, so gut sie koennen. Aber die spezielle medizinische und zwischenmenschlich-emotionale Betreuung, die Menschen mit Behinderung benoetigen, ist hier angesichts der sonstigen problematischen Umstaende und Maengel noch viel weniger gewaehrleistet. Es ist alles so unglaublich schwierig. So viele Missstaende multiplizieren sich und lassen die Situation so uferlos werden. Ein Loch in der Wand laesst sich durch handwerkliche Arbeit ausbessern, aber hier weiss man ja gar nicht, wo man ansetzen soll. Es faengt bei der unvorstellbaren Beengung an und geht ueber die wenigen finanziellen Mittel bis hin zu der benoetigten seelischen Unterstuetzung, um nur ein paar Problempunkte anzusprechen.
Aber an anderer Stelle tut sich schon was. Vor ein paar Tagen fuhr ich mit der Hermanita Susana zu einem renommierten Architekten der Stadt. Die Vorstellungen von der Hermanita Susana, ein Grundstueck zu kaufen, um dort Haeuser fuer die Adultos Mayores zu errichten, hat er als weniger vorteilhaft befunden, weil man dann entweder fuer jedes einzelne Haus Kueche, Bad, etc. braeuchte, was sehr kostensiv waere oder das ganze, wenn man das alles fuer die gesamten Haueser zentral errichten wuerde, wieder einer Art Essensausgabestaette gleichkommen wuerde, wie sie es ja im Projekt eh schon gibt. Stattdessen hat er eher die Idee von Carlotta und mir befuerwortet, in den schon vorhandenen Haeusern, so gut es geht, die Maengel auszubessern. Fuer die, die gar kein Haus haben, koenne man eine Ausnahme machen und sich um kleine "Casitas" bemuehen, was sich aber wohl als der schwierigere Teil der ganzen Arbeit erweisen wird. Es gibt da auch vom Staat subventionierte Wohnprojekte. Ich bezweifel aber, das es so leicht ist, von diesen Angeboten Gebrauch machen zu koennen und befuerchte, das es letztendlich mehr heisse populistische Luft ist als eine handfeste Moeglichkeit.
Nicht ganz leicht ist ausserdem die Konsensfindung innerhalb der Leute, die mit dem Projekt zu tun haben. Ich hab schon festgestellt, dass man hier gern einfach wartet. In diesem Fall, bis man alle Haeuser gesehen hat, um dann entscheiden zu koennen, wo die Hilfe am dringensten benoetigt wird. Aber bei manchen Haeusern sind die Maengel so akut offensichtlich, dass es nicht gut waere, laenger mit irgendwelchen Verbesserungsmassnahmen zu warten. Ausserdem sind wir Freiwilligen jetzt hier, um was tun zu koennen.
In dem Buero des Architekten hab ich auch zwei Architekturstudenten getroffen, die mir ihre Hilfe angeboten haben und im Rahmen ihres Studiums auch eine Art soziales Projekt machen muessen. Carlotta und ich sind zu ihnen an die Uni gefahren, haben ihnen die Fotos gezeigt und uns heute gleich getroffen, um die Haueser gemeinsam zu besichtigen.
Wir haben uns vorerst primaer zwei Haeuser vorgenommen: Das eine der Mutter mit ihrer Tochter, die sich ein kleines Schlafzimmer und ein Bett teilen muessen und das Haus eines Ehepaars, wo in den Waenden so grosse Loecher sind (von beiden hab ich Bilder gezeigt).
Die insgesamt drei Studenten, mit denen wir zusammenarbeiten, haben alles ausgemessen, einen Plan angefertigt und sich genau notiert, was an Material benoetigt wird.
In dem Haus mit den mangelhaften Waenden haben sie im Bad den Ursprung des Uebels erkannt: An einer Stelle tritt Wasser aus und beschaedigt somit die ganzen Waende. Das wollen sie unter anderem bei der Arbeit besonders forcieren.
Naechsten Mittwoch treffen wir uns wieder und sprechen ueber die bevorstehende konkrete Arbeit, mit der wir am naechsten Wochenende beginnen wollen.
Es sind erst zwei Haeuser und es gibt in so vielen Verbesserungsbedarf! Ausserdem haben wir den Grossteil noch gar nicht besichtigt.
Aber irgendwo muss man mal anfangen...
Zum Schluss noch der in Quito mit ca. 2800 m ueber MSL wohl hoechstgelegenste McDonalds der Welt.
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