Vor laengerer Zeit hatte ich einmal die Moeglichkeit von staatlicher Hilfe angeschnitten. Wer Eigentuemer eines Grundstuecks und selbst nicht genuegend solvent ist, kann einen Antrag auf Unterstuetzung zur Verbesserung der Wohnverhaeltnisse an die Institution MIDUVI (Ministerio de Desarollo Urbano y Vivienda del Ecuador) stellen, die sich um ebendiese Belange kuemmert.
Fuer einige (ca. 15) Adultos Mayores haben wir eine solche Forderung eingereicht und auch fuer fast alle eine Zusage erhalten.
Konkret wuerden Maengel in den Haeuslichkeiten ausgebessert und in zwei Faellen dort auch neue Haeuser erbaut werden, wo genuegend Grundstuecksflaeche zur Verfuegung steht.
Wir selbst koennen davon aber nicht direkt aktiv Gebrauch machen, also die Gelder selbst fuer von uns initiierten Optimierungsarbeiten verwenden, sondern es geht alles vom Staat aus, Architekten, Arbeiter werden von dort gestellt, usw.
Ich persoenlich heg auch immernoch Zweifel, wie zeitig und ob ueberhaupt dieses Angebot, das uns auf Papier vorliegt, wirklich realisiert werden kann. Auf mich wirken solche auf den ersten Blick vielversprechenden Programme hier oft auch eher schein-aktionistisch.
Trotzdem ist es eine wertvolle potenzielle Moeglichkeit, die man bei allen weiteren Ueberlegungen im Hinterkopf behalten muss.
Es mag so aussehen, dass wir, sollte es mit der Miduvi-Sache wirklich funktionieren, selbst jetzt weniger tun koennen, aber tatsaechlich ist genau das Gegenteil der Fall. Sollte die Hilfe nicht nur durch uns aus Deutschland kommen, sondern von unterschiedlichen Punkten ausgehen, koennten wir uns mehr verschiedenen Dingen widmen.
Aktuell stellen wir die Miduvi-Haeuser zurueck und planen an der Stelle, wo wir davon nicht profitieren koennen.
Don Galo
erhaelt diesen Bon nicht. Er hat ein Grundstueck mit einem kleinen Zimmer, das er bewohnt
und einem anderen Raum und einer Kueche (hier auf der rechten Seite).
Die Fotos wurden an zwei verschiedenen Tagen aufgenommen, deshalb der Wetterunterschied. Wo die Sonne scheint, ist es noch einigermassen wohnbar, aber das Truebe auf dem zweiten Bild spiegelt in der Tat den desolaten Zustand des anderen Zimmers wider. Die Decke koennte jeden Augenblick runterkrachen.
Ein Wunder, das das noch nicht geschehen ist.
Jetzt die positiven Nachrichten: Wuerde man das Zimmer in Ordnung bringen, waere Señor Galo bereit, auch Compañeros aus dem Projekt dort wohnen zu lassen, bzw. er wuerde dorthin umziehen und sein jetziges Zimmer zur Verfuegung stellen. Ja, ohne Konjunktiv: Das ist unser Plan.
Seine neuen Nachbarn werden hoechstwahrscheinlich Ester und Jaime sein, die in diesen Tagen noch unter wirklich elenden Umstaenden leben muessen, ohne Wasseranschluss in einer nur geliehenen Bruchbude.
Ausserdem wollen wir ein neues Bad errichten. Galo benutzt das seiner gschiedenen Frau auf der ihr gehoerenden anderen Haelfte des Terrains, aber fuer die neue Wohngemeinschaft ist diese Baumassnahme essentiell. Wasseranschluss und Abwassersystem sind bereits vorhanden.So bald wie moeglich soll und muss es losgehen, und zwar mit anderen Arbeitern als beim letzten ersten mal, denn die Kommunikation war schwierig und missverstaendnisvoll und durch deren zahlreiche andere Engagements benoetigten sie zu viel Zeit. Es muss schneller gehen!
Fest steht, dass ich am ersten Arbeitstag dieses scheussliche Poster von der Kuechenwand reissen werde.
Der Ursprung der arischen Rasse. Im letzten Satz: “Sie wird als die Rasse bezeichnet, die am besten zur Entwicklung von Zivilisationen befaehigt ist.” Schlecht wird´s einem da! Wieder. Neulich fiel mir an einem Stand eine Hakenkreuzhalskette auf. Ich fragte den Verkaeufer, ob er weiss, was das bedeutet. Er wusste es nicht und lachte. Klar versuchte ich ihm im Groben die schreckliche Bedeutung dieses Symbols klarzumachen, aber die Dimension des Nationalsozialismus kann man doch keinem in wenigen kurzen Momenten vor Augen fuehren, noch dazu in einer Fremdsprache und zwischen Tuer und Angel auf dem Markt.
Klar herrscht einfach breite Unwissenheit; vielen kann man das auch nicht veruebeln. Ihre Schulbildung reicht selten soweit, dass sie von der Thematik eine wirkliche Kenntnis haben, die ueber punktuelle Vorstellungen hinausgeht.
Andererseits sollte man doch einfach die Finger von Zeichen lassen, von denen man keine Ahnung hat.
Mir wird dabei auch bewusst, wie wenig wir in der Schule eigentlich z.B. ueber die Geschichte Lateinamerikas gelernt haben. Trotzdem jonglieren wir nicht mit Emblemen argentinischer Diktatoren.
Diese Woche konnten wir die Hausbesuche zu einem Abschluss bringen und sind wieder auf so manches unverstaendliche Problem gestossen. Eine Frau wohnt eigentlich in einem ziemlich grossen Haus, sogar mit ueppigem Garten.
Neben der Planung der wirklichen Bauarbeiten sind wir ausserdem dabei, die Haeuser mit wichtigen Wohnutensilien, wie Matratzen und Moebeln auszustatten. Beides fehlt sehr haeufig. Nicht selten stoesst man auf so etwas:
Oft waer auch ein Schrank, eine Kommode, ein Regal echt von Noeten. Wir haben uns aber darauf geeinigt, dass die Matratzengeschichte Prioritaet hat, denn es ist von groesserer Bedeutung, dass die Adultos Mayores gut, bequem, rueckenschonend schlafen koennen, als dass sie eine optimalere Moeglichkeit haben, ihr Hab und Gut zu verstauen.
Gerade versuchen wir durch Befragen der Personen oder durch Betrachten der Fotos, die wir von den Wohnungen bereits gemacht haben, herauszufinden, wo Matratzen fehlen.Wenn wir eine Anzahl und ein Preisbild haben, koennen wir sehen, ob die Anschaffung von Moebeln noch in unseren finanziellen Rahmen passt.
Die eine Haelfte des Grundstuecks gehoert ihr, die andere ihrem verstorbenem Bruder und somit ihren Neffen. Diese ominoesen Neffen kommen nicht nur so gut wie nie, kuemmern sich sehr herzlich wenig um ihre Tante, sondern stellen auch noch ihr ganzes Geruempel auf ihrer Seite des Hauses ab. Raeume, die sie eigentlich dringend zum Wohnen benoetigte, sind von oben bis unten zugestellt. Noch unverstaendlicher ist aber, dass sich die Frau auch noch um das ganze Zeug so unheimlich sorgt: Nein, es muss da und da, auf ihrer Seite sein, weil woanders werden die Sachen nass. Eigentlich gaeb es so viele verschiedene Raeume, in die man den Gruscht verlagern und somit Freiraeume fuer z.B. eine richtige Kueche schaffen koennte.
Mit aller Eindringlichkeit haben wir versucht, sie von unseren Vorstellungen zu ueberzeugen, aber wir stiessen auf nichts als Bedenken, fast auf Angst. Sie ist nicht beratungsresistent, aber es ist fuer sie sehr schwierig, sich von bestehenden Gewohnheiten zu loesen und sich auf Veraenderungen einzulassen. Doch letztendlich haben wir sie schon fast dazu gebracht, dass wir alles einfach in einen Raum stopfen, in Kisten oder Kartons, dass sie von Feuchtigkeit geschuetzt sind oder zumindest zu sein scheinen und in dem Raum auf dem Bild eine neue Kueche einrichten.
Mancherorts sind es auch einfach die eigenen Besitztuemer, die Wohnraum wegnehmen.
Man muesste da einfach mal so richtig ausmisten. Aber die Adultos Mayores haben eh oft so wenig, sodass sie sich von nichts trennen wollen. Ausfuehrliche Aufraeumsessions mit Kisten in Petto wuerden aber auch schon vieles besser machen. Und wenn wir es uns noch leisten koennen, bekommen die Sachen einen Platz in einem Schrank.
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