Freitag, 6. Januar 2012

Año viejo

Un feliz año a todos ustedes! Das kommt frueh, ich weiss, aber jetzt passt es themenmaessig.
An Año viejo wieder daheim und wieder Leute um sich rum, die gutes Spanisch sprechen und das S koennen, kein "mucha gracia" wie an der Costa, wieder das Essen von meiner lieben Gastmama, das meinem Magen groesstenteils keine Probleme bereitet, wieder richtige lateinamerikanische Kultur. Zum 31. Dezember gibt es hier viele Braeuche, die man in unseren Breiten nicht kennt. Nummer 1: Man bastelt Muñecos (Puppen), auch "Año viejo" genannt, wie das gleichnamige Fest, so wie hier Luis, der gerade deren Wabbelbeine mit Holzspaene ausstopft. 
Die Figuren sollen immer eine bestimmte Person repraesentieren, karikieren, duepieren, jedes Jahr jemand anderes. Dieses Jahr fiel die willkuerliche ungemeinschaftliche Wahl auf eine meiner groesseren Gastschwestern, Maty.
Unter anderem fehlt noch das Gesicht. Dazu geht man auf den Markt, wo man solche reizenden Masken erstehen kann.

Irgendeine findet sich schon, die ihr einigermassen aehnelt.
Das fertige Manschgal wurde vor´s Haus platziert.
Zu spaeterer Stunde hat sich dann noch ein Año Viejo aus der Nachbarschaft dazugesellt.
Auf den Zettel stehen derbleckende Sprueche, an die uebrigen Familienmitglieder adressiert.
Hier noch ein paar andere Gestalten, ganz besitzerlos zusammengeworfen.
Ich hab so richtig aufgekocht, Spaghetti mit Tomatensosse! :) Hier sagt man dazu Espaguetis, denn die spanischsprechenden Leute bringen es nicht zustande, ein Wort mit S und darauffolgendem Konsonant auszusprechen. Da muss immer ein E davorstehen. So besteht das spanische Vokabular aus Woertern, wie estudiar, escalera, especial, esfuerzo, der Stefan heisst Esteban. Abenteuerlicher wird´s nur dann, wenn´s Richtung Fremdsprachen geht. "Nein, ich besitze keinen Esmoking." "Das T-Shirt in esmall ist mir wohl zu klein." "I go to eschool." Einmal hat es mir fast die Schuhe ausgezogen, als ich von Estocolmo in Escandinavia gelesen hab. Estraubing ist auch eine schoene Stadt.
Seitdem ich ihnen meine Belustigung darueber mal zum Ausdruck gebracht hab, strengen sie sich an und mit Mueh und Not platzt ein "Ssssspaghetti" heraus.
Meine Kochkuenste brachten ein ganz pasables Essen zustande, mir haette es auch gut geschmeckt, nur leider hatte ich gerade bei einem meiner heimisch vertrauten Lieblingsgerichte eine moderate Magenverstimmung von der Costa und recht wenig Appetit.
In der letzten Stunde des Jahres begaben wir uns auf einen kleinen Spaziergang durch die Strassen und es tanzte dort echt der Baer, bzw. Jungs, die sich als Frauen verkleiden und die passierenden Autos antanzen, eine weitere Gepflogenheit. “Salta, salta, salta!” Ich wurde auch dazu genoetigt, mitzutanzen und so huepfte ein einziger Gringo unter lauter Pseudofrauen mit. Es war wirklich wirklich lustig und ich hab mich gefragt, warum es so etwas bei uns nicht gibt, warum es ausser “Dinner for one” anschaun eigentlich ueberhaupt keine wirklichen Braeuche an Sylvester gibt. Wie viel Spass wir haetten! 
Dann, um 12, Prosit Neujahr, Feuerwerk! Und die ganzen muehsam fabrizierten Año viejos wurden auf der Strasse verbrannt. Das ist auch der eigentliche Sinn dahinter. Die Puppen sollen das Negative einer Person in dem vergangenen Jahr darstellen. Als Zeichen fuer einen Neuanfang zuendet man sie an.
Der Blick die Strasse entlang. In Deutschland waer sowas wohl so und so nie moeglich, da viel zu gefaehrlich, ein offenes Feuer so nah an den ganzen Autos...
Es war schon komisch, als ich Neujahrs-Sms aus der Heimat bekommen hab, war es bei mir gerade erst 6 Uhr abends und noch im alten Jahr. Und wo wir hier angestossen haben, lag daheim wohl schon jeder mit Kater im Bett. Kater auf Spanisch: el chuchaqui

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