Anstatt irgendwelche Bauwerke zeig ich lieber eine Wohnsiedlung mit dem Cotopaxi im Hintergrund, dem zweithoechsen Berg/Vulkan Ecuadors.
Die Sicht war klar und man konnte wirklich saemtliche Vulkane bestaunen: Den Pichincha, den Cotopaxi, den Guagua Pichincha, seinen Bruder, den (uebrigens gerade recht aktiven) Tungurahua und manchmal, wenn die Sicht sehr gut ist, ist auch der Chimborazo drin.
Der Spass beginnt oft abseits der gepflasterten Strassen, im Herzen des andinen Hochlands. Wir verliessen die Stadt sehr bald auf dem Weg nach Quilotoa, wo ich den besten Platz im Bus ergattern konnte, neben dem Fahrer und seinem Kompagnon.Das war unser Ziel! Laguna Quilotoa!
“Chuta madre!”(hiesiger Jugendslang, soviel wie “Heftig oida”)
Wie man da halt einfach aus dem Bus aussteigt, ein paar Meter weitergeht und urploetzlich da so ein riesiger Krater vor einem auftaucht.
Ich war von der Laguna Cuicocha schon sehr beeindruckt, aber dieser See haute mich so vom Hocker, dass ich mich kaum mehr halten konnte.
Das beste ist, dass man auch einen Weg zum Ufer runtersteigen kann. Tollkuehn und abenteuerlustig marschierten wir hinab, wir rannten fast. Im Gegenzug aufwaerts lauter voellig erschoepfte schweratmende Gringos, denen ein bisschen Sport schon nicht schadet.
Am Fuss dieses Bergkessels war es sehr schoen und ruhig und es gefiel uns so gut, dass wir eigentlich auch die Nacht dort bleiben wollten, in dem einzig vorhanden Hotel dort unten. Sicherheitshalber befragten wir den Besitzer, wie den so die Standards seien: “Gibt es ein Bad?” “Nein, es gibt kein Bad.” “Licht?” “Es gibt kein Licht.” “Essen evtl.?” “Auch nicht.” Wir sind ja wirklich nicht verwoehnt, aber das war uns dann doch zu basic, ganz ohne Campingequipment im Gepaeck und wir beschlossen, oben in dem gleichnamigen Dorf Quilotoa spaeter nach einer Herberge zu suchen.
Bis zum Aufstieg war noch viel Zeit, um an diesen herrlichen Orten zu verweilen.
Eine Weile lang schaute ich dieser Gruppe bei ihrem Tanz, ihren Gesaengen und ihren Meditationsuebungen zu.
Und dann blickten wir auch einfach Ewigkeiten lang auf diesen See hinaus, in dieser geheimnisvollen Stille, so wie hier der Luis.
Bilder dieser Art sind etliche enstanden, an den unterschiedlichsten Ufern, Felsen und Huegeln, die wir mutig erklommen.
Ja, das da oben bin ich!
Ausserdem schnappten wir uns noch ein Kayak und stachen hinaus, wir, die weltbesten Kayakfahrer, glitten ueber das so unbewegte Wasser.
Beim Wiederaufstieg suchten wir uns unseren eigenen alternativen Weg und kamen an Orte, an denen es schien, als sei noch nie eine Menschenseele dort gewesen.
Und just, als wir wieder unseren Ausgangspunkt erreicht hatten, war der See auf einmal voellig in Nebel eingehuellt, wieder so etwas mystisches.
Chuta madre!
Chuta madre!
Wir blieben also in diesem Dorf.
In Quilotoa, und auch allgemein meist am Land, lebt viel indigene Bevoelkerung, oft in ziemlicher Armut. Als Eingeborene waren sie von der Kolonialherrschaft und der damit verbundenen Ausbeutung und dem Heimatverlust sehr stark betroffen und sind leider auch heute oft immernoch benachteiligt. Wenn es Leute gibt, die vom wenigen Reichtum Gebrauch machen koennen, sind es meist eher Mestizen ("Mischung" aus Indígenas und spanischen Kolonisten), die im Land den groessten Anteil ausmachen, eher in den grossen Staedten leben und oft ein recht westlich orientiertes Leben fuehren. Die Indígenas hingegen leben haeufig eher urspruenglich, betreiben Landwirtschaft (teilweise auch in Subsistenzwirtschaft) und pflegen ihre wertvolle Kultur mit ihrer Tracht, ihrer Kunst, ihrer Musik und ihrer eigenen Sprache, dem in Ecuador verbreiteten Kichwa (auch Quichua).
Luis, der unter der Woche in Simiatug mit vielen Kichwa-sprechenden Leuten lebt, ist gerade am Lernen und ich lerne durch ihn und von ihm ein bisschen mit.
Wir waren gerade am Austauschen unseres minmalen Vokabulars, als wohl dadurch ein netter Mann auf uns aufmerksam wurde, der uns ausdauernd bei der nicht ganz leichten Suche nach einer Unterkunft half.
Letztendlich landeten wir bei der Familie seiner Schwester, die uns ein Zimmer zur Verfuegung stellen konnte und uns mit grosser Herzlichkeit versorgte.
Wir hatten Licht und einen Kaminofen, der bitter noetig war, sonst waeren wir erfroren. Fast auf 4000 m Hoehe MSL gelegen war es so unglaublich kalt.
Sie kochten fuer uns und wir hatten einen Heidenspass bei einer kleinen Runde am Ofen mit Pablo, Samuel und Marisol, wo wir uns gegenseitig die Legende von der Lagune in 4 Sprachen erzaehlten.
Pablo begann auf Kichwa, Samuel uebersetze auf Spanisch, Luis auf Englisch und ich schliesslich auf Deutsch.
Wir unterhielten uns auch sonst recht nett, bis der Pablo irgendwann anfing, bei jeder kleinsten Aussage “Por qué?” (warum?) zu fragen, was jede Konversation letztendlich unmoeglich machte und daraus ein kollektives Dauerlachen wurde.
Dieser Lausbub hatte ausserdem so ein komisches Sprayzeug dabei, mit dem wir uns gegenseitig vollspruehten, schon in Einstimmung auf Carnaval.
Wir konnten nicht genug von der Abenteuerbergluft kriegen und so fuhren weiter zum Cotopaxi-Nationalpark. Es gibt dort verschiedenste Sachen, die man machen kann, doch wir mieteten uns einfach eine Camioneta und fuhren durch, wieder an traumhaften Landschaften vorbei.
Der Blick Richtung Tal.
Es ist echt die Natur und deren Vielfalt, die dieses Land so einzigartig macht.
Schnee! Immernoch im selben Land. Wir sind bis zum Refugio auf ca. 4800 m ueber MSL hochgefahren, da wo er begann. Ich war so froh ueber die Muetze und die Handschuhe, die ich mir in Quilotoa gekauft hab.
Wir hatten leider Pech und konnten den Gipfel nicht sehen, teilweise waren wir auch vollstaendig in Nebel eingehuellt. Da bekommt man schon Respekt vor dem Berg und Respekt gebuehrt ein paar Freunden aus Otavalo, die ihn vor zwei Wochen erfolgreich bestiegen haben!
Der Blick Richtung Tal.
Wir geben uns mit der Schneegrenze gluecklich zufrieden! Luis war voellig begeistert, denn es war fuer ihn das erste mal, dass er Schnee sieht.
Gruesse uebrigens aus Guaranda, wo in diesen Tagen der Carnaval abgeht. Bin ja schon gespannt…
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen