Montag, 12. März 2012

Matratzen fuer die Armen

Hallo! Mitten in den vielen vielen derzeitigen Ereignissen und Erlebnissen kann ich mich dazu aufraffen, hier fuer ein wenig Aktualisierung zu sorgen. Meine Mama ist gerade zu Besuch und wir verbringen einige tolle Tage, waren schon in Kolumbien, an der Costa und warten gerade in Coca im Oriente, bis uns ein Boot den Río Napo entlang zu einer Tour in den Urwald hineinbringt. Aber dazu folgen noch ausfuehrliche gesonderte Beitraege.
Neben der Fertigstellung des Hauses von Don Galo gibt es noch einige weitere Verbesserungen, die man fast schon mehr als Ergebnisse denn als immernoch laufende Entwicklungen ansehen kann. Im Uebrigen ist mir kuerzlich bewusst geworden, wie wenig Zeit ich eigentlich noch im Projekt verbring. Nach diesen zwei Wochen Reisen mit meiner Mutter sind es nur noch zwei weitere im Maerz beim Arbeiten in Ibarra. Die erste Aprilhaelfte verbring ich in Peru und Bolivien und danach heisst es dann schon langsam Abschied nehmen...
In diesen wenigen verbleibenden Arbeitstagen werd ich keine neuen groesseren Projekte mehr anfangen koennen, aber dann kann ich mich abschliessend auch wieder anderen Schwerpunkten, wie z.B. Liedersingen widmen.

Wir konnten also durch ein paar weitere eingegangene Spenden doch noch die benoetigte Summe fuer diese ca. 35 Matratzen zusammenbringen. Und auch nachdem alle Weichen gestellt waren, war es trotzdem eine zaehe, sehr anstrengende, langwierige, aus vielen kleinen Schritten bestehende Aktion. Allein schon in Erfahrung zu bringen, wer eine benoetigt, wer wirklich eine benoetigt. Wir hatten ja von jedem Projektmitglied durch die Hausbesuche einen detallierten Ordner mit persoenlichen Daten und Fotos erstellt und versuchten daraus schlau zu werden, ob denn nun eine Matratze vorhanden ist oder nicht. Zusaetzlich die Befragung. In der Tat hatte kaum einer eine wirklich ernstzunehmende Matratze. Doch man stoesst nicht immer auf Ehrlichkeit, muss sich so manche Geschichten anhoeren. Man braeuchte eine fuer die Tochter, die jedes Jahr einmal zu Besuch kommt, fuer den Neffen noch eine, das waer auch nicht schlecht.
Es ist nicht unproblematisch, mit der Gabe materieller Gueter helfen zu wollen. Schnell steht man als eine allgemeine Matratzenausgabestelle da und erweckt riesige Erwartungen. Es ist etwas anderes, wenn man an ihren Haeusern etwas verbessert, die sie ja bereits besitzen. Aber bei "Geschenken" in Form eines Gegenstandes besteht die Gefahr, dass sie den eigentlichen Sinn missbrauchen, sie verschenken, verkaufen, verleihen. Trotz eindringlicher Mahnungen bleibt das noch immer unsere Sorge.
Die Reaktionen bei der Verteilung waren wahnsinnig unterschiedlich. Manche konnten ihr Glueck gar nicht fassen, brachen schier in Traenen aus. Andere schienen unsere Gabe nicht ausserordentlich wertzuschaetzen, zu wuerdigen.
Dann kann man aber auch nicht einfach nach dem gewohnten Wertemassstab ueber so ein Verhalten urteilen. Die meisten mussten in ihrem Leben wohl so manche schreckliche Dinge durchmachen, haben fuer uns voellig selbstverstaendliche sittliche Verhaltensregeln nie gelernt oder, um ihr moderates Dankverhalten viel einfacher zu begruenden, haben ihr ganzes Leben lang nie auf einer richtigen Matratze geschlafen und die Umstellung nach diesen etlichen Jahren, wenn auch zum Besseren, ist fuer manche sehr schwierig.
Dennoch will ich das auf keinen Fall als Allgemeinphaenomen darstellen. Als wir die Adultos Mayores nach dem Tag der Auslieferung befragt hatten, wie sie denn genaechtigt haetten, gab es ein paar wenige, die sich ueber irgendwas beschweren mussten, das Gros kam jedoch aus freudigem Danken nicht mehr heraus. Es ist nur manchmal etwas frustrierend, wenn man Gott und die Welt zu ihrem vermeintlichen Wohl in Bewegung setzt und sie sich dann darueber auslassen, so schlecht haetten sie schon lang nicht mehr geschlafen. Man kann es wohl nie allen recht machen und alles ist dann doch ein wertvoller Erfahrungs- und Lernprozess, den man bei die Arbeit durchmacht.Und man arbeitet halt schliesslich auch mit hilfsbeduerftigen Menschen und muss sich auf sie einlassen, sie nicht selten einfach so nehmen, wie sie sind.
Aber nun der Reihe nach: Befragung,  genaue Liste, Kauf, Transport vom Lager zum Projekt.
Von dort aus brauchten wir mehrere Tage, bis sie wirklich alle ihren Bestimmungsort erreichten, so weit ausserhalb und so weit voneinander entfernt, wie sie ja alle wohnen. Ich berichtete.
Wir mieteten einen Kleinlaster.

Ein naechstes Hindernis war, die Haeuser ueberhaupt zu finden. Eigentlich haben wir ja jedes einmal besucht, aber sich diese zu merken…oft sie sind so unscheinbar, klein, versteckt. Geschweige denn den Weg dorthin, sonst haben es uns ja immer die Adultos Mayores selbst gezeigt. Irgendwie ging es dann schon immer, durch Befragungen saemtlicher Passanten und andere spontane Hilfshandlungen.
An den anderen Tagen waren wir etwas schlauer und bestellten einfach alle zukuenftigen Matratzenbesitzer von vornherein in aller Frueh zum Projekt, damit sie uns zu sich nach Hause begleiten koennen.
Mir hat es sehr gut gefallen, dass dann einige selbst Hand angelegt haben und es somit wieder mehr ein Gemeinschaftsprojekt von beiden Seiten war als eine einseitige Handlung des guten Willens von uns aus.
Sie fuhren dann auf der Ladeflaeche des gemieteten Kleinlasters hinten mit. Bei diesem Transport war ich auch mit drauf. Das geht hier und es ist echt sehr lustig!
 
Zwischendrin dann wieder das altbekannte Erschwernis auf dem langen abenteuerlichen Weg zu Piedad und Manuel, diese Schlucht ueberqueren zu muessen. Dank der ausgiebigen Regefaelle fliesst da gerade ein kleiner Fluss durch.
Irgendwie konnten wir das Ding dann schon den Berg hinaufhieven.

Bei ihnen kam es mir vor, dass es ihnen gar nicht wirklich klar war, fuer was dieser sonderbare Gegenstand eigentlich gut ist. Ganz erstaunt berichteten sie dann am naechsten Tag von ihrem ungewoehnlich guten Schlaf.

Aber manchen urspruenglich fuer den Erhalt einer Matratze vorgesehenen Personen haben wir sie aus mangelnder Bereitschaft zur Kooperation letztendlich doch noch verweigert und uns fuer andere entschieden.Wir sind nicht dazu da, in irgendeiner Weise die Menschen zu erziehen, aber wir wollten eben nicht wie oben beschrieben allgemeine Almosengeber sein, sondern den Leuten etwas Gutes tun, von denen wir aber im Gegenzug erwartet haben, dass sie in gewisser Weise mitarbeiten und sich erkenntlich zeigen.
Im Gesamten taten sie das aber letztlich schon und es blieben wenige aergerliche Einzelfaelle.
 
Zum Schluss noch ein paar Gluecksimpressionen:

Da kann man es wirklich gut drauf aushalten!

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