Dienstag, 20. März 2012

Colombia!

Ich hab´s also doch noch ueber die Grenze geschafft, nachdem meine vorigen Vorhaben nicht geklappt haben. Und ich denke, es wird bei diesem einen mal bleiben. Eigentlich waer die Grenze ja so nah und auch so einladend, ein anderes lateinamerikanisches Land quasi direkt vor der Haustuer. Staedte, wie Pasto, Popayán oder sogar Cali von hier aus nicht unerreichbarer als so manche entfernte Reiseziele in Ecuador. Aber trotz all den tollen Dingen, die Kolumbien zu bieten haben soll, wunderschoene Landschaften, bluehende Kultur, sehr sehenswerte Staedte, hat es vor allem als Reiseland eine verdammt schlechte Reputation.
Es ist der seit Jahrzehnten andauernde bewaffnete Konflikt, der einen das Land mit Skepsis begegnen laesst. Er geht auf Spannungen zwischen Konservativen und Liberalen bis in das 19. Jhdt. zurueck, die in der Geschichte Kolumbiens immer wieder zu diversen viele Opfer fordernden Buergerkriegen fuehrten ("La Violencia"). In der zweiten Haelfte des 20. Jhdts. mischten sich linksgerichtete Gruppierungen in die Auseinandersetzungen mit ein, aus denen spaeter die Guerillas entstanden. Auf der anderen Seite kaempfen Paramilitaers im Auftrag von konservativen Grossgrundbesitzern und Militaer. Mit im Spiel ist allgegenwaertig die Drogenmafia, aus deren Einnahmen sich beide Seiten finanzieren. Problematisch ist vor allem, dass Korruption an der Tagesordnung steht, teilweise sogar politische Funktionaere fuer die Paramilitaers im Hintergrund agieren, ja Parlamentarier gar "gekauft" werden. Durch derartige Verbindungen koennen Drogenbarone, die ja eng mit den Paramilitaers in Verbindung stehen, durch Bestechung von Polizei und Justiz eine Strafminderung geniessen und ermoeglichen den Paramilitaers somit mit Geldlieferungen aus dem Drogengeschaeft wiederum eine fortbestehende Existenz.
Im Zuge dessen gibt es Erpressung, Menschenrechtsverletzungen, die auch vor zivilen Opfern keinen Halt machen. Kolumbien gilt weltweit als das Land mit den meisten Entfuehrungen und politische Morden. Vor allem der Sueden des Landes ist mit Vorsicht zu geniessen.
Auslaendische Besucher schwaermen von offenen, sehr netten Menschen und einem wunderbaren Land. Bei den Ecuadorianern hat die kolumbianische Bevoelkerung einen sehr schlechten Ruf. Natuerlich spielt immer ein bisschen Rivalitaet zwischen Nachbarlaendern mit, doch seit ein paar Jahren soll die Grenze offener denn je sein und angeblich stroemen ganze Heerscharen von kolumbianischen Migranten ins Land, um sich dort aus wirtschaftlichen Gruenden niederzulassen oder um vor der prekaeren politischen Situation zu fliehen. Tatsaechlich sehen wohl einige Ecuador als Ausweg aus der unsicheren Lage, um Erpressungen, Geldforderungen von Guerillagruppen durch Einnahmen aus kriminellen Handlungen im Ausland begleichen zu koennen. Einige ecuadorianische Staedte gelten wegen der Naehe zur kolumbianischen Grenze als ziemlich gefaehrlich. Auch in Ibarra soll sich in den letzten Jahren da einiges verschlimmert haben und die Einheimischen machen die grosse Praesenz von Kolumbianern groesstenteils dafuer verantwortlich.

Doch trotz alledem wollte ich einmal dagewesen sein. Von den unterschiedlichsten Leuten hab ich die unterschiedlichsten Meinungen ueber die wirkliche Gefahr gehoert. Als weitgehend safe galt immer die erste Stadt nach der Grenze, Ipiales. Also aus Vernunft nur Ipiales. Letztlich war es nur ein kleiner Abstecher in dem vollen Reiseprogramm von meiner Mutter und mir.

Die Grenze -
 erstaunlich offen.
 
Man ist ja in Europa keine Grenzen mehr gewoehnt, aber nach so manchen erlebten Eintritten in Nicht-EU-Laender haett ich mir sie wesentlich strenger, kontrollierter vorgestellt. Dass gleich von der Polizei der Pass verlangt wird, evtl. die Taschen dursucht werden.
Doch von all dem nichts. Die Autos stroemen nur so hin und her, man koennte auch einfach zu Fuss munter von einem Land ins andere auf- und abgehen. Sie ist wirklich nicht idiotensicher, denn man muss sich eigenstaendig einen Ausreise- und dann an anderer Stelle einen Einreisestempel besorgen. Vielleicht fehlt mir aber bis jetzt  auch noch der Vergleich und an anderen suedamerikanischen Grenzen geht es nicht anders zu.

Ipiales, einigermassen aehnlich haesslich wie Tulcán, aber trotzdem unheimlich interessant, denn es ist doch schon irgendwie anders als Ecuador, ich finde, in gewisser Weise noch unbefangener, indiskreter.
Und wahnsinnig kommerziell.  Ueberall gibt es irgendwelche Staende, an denen irgendein Ramsch verkauft wird.
Der Lebensmittelmarkt war aber echt besuchenswert!

Ein klein bisschen ausserhalb erreichten wir aber dann eine sehr ansehnliche Kirche, “Las Lajas”. Sie formt praktisch eine Bruecke ueber einen Fluss
 und ist an einen Felsen drangebaut.

 Hier im religioesen Suedamerika kommen in die Kirchen immer sehr viele Leute zum Beten.
Sogar der Sicherheitsmensch kniet ganz andaechtig.
Ganz allgemein wird der Glauben hier recht offen demonstriert. Oft, wenn ich im Taxi an einer Kirche vorbeifahr, macht ein noch so gangstermaessiger Taxifahrer das Kreuzzeichen...

Unser Kolumbienaufenthalt ist jetzt schon fast wieder 2 Wochen her. Allgemein hink ich mit meinen Berichten ein bisschen hinterher. In der letzten Zeit hab ich es vor lauter Reisen und abschnittsweise nicht vorhandenem Internet nicht geschafft, aktuell mit den Geschehnissen Schritt zu halten. Aber fuer die naechsten Tage nehm ich mir jetzt einen Post-Marathon vor!

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