Samstag, 7. April 2012

Abenteuer 1/2

Hallo, ich schreib gerade aus Bolivien! Bin immer den ganzen Tag unterwegs und wenn ich es dann mal in´s Internet schaff, fallen mir immer fast die Augen zu. So wie jetzt gerade. Immernoch steht der Eintrag ueber unsere Urwaldtour aus und zumindest schaff ich´s jetzt nach zwei wegen Muedigkeit oder Zeitmangel gescheiterten Versuchen,  zumindest einen Teil davon hier zu veroffentlichen.
An dieser Stelle muss mein Blog aufhoeren, ein Live-Ticker zu sein. Das, ueber was ich jetzt schreib, ist schon wieder Wochen her. Es passiert immer so wahnsinnig viel und ich will Ausfuehrlichkeit und Chronologie beibehalten.

Es ging dann Richtung Osten, weg vom Meer. Alles insgesamt schon ein ziemlicher Schlauch. Wir waren einen ganzen Tag unterwegs, kurz den Andenguertel rauf, zu einem abendlichen Kuehlschrank in Quito, um dann die ganze folgende Nacht auf der anderen Seite wieder runterzufahren, Richtung Oriente, dem Teil, der auch fuer mich abgesehen von einem Kurzverweiler in Puyo noch neu war.
Und so unerschlossen und besonders das Amazonas-Regenwald-Gebiet ist, so einzigartig und unbeschreiblich war unsere Tour!
Oelpipelines am Wegrand bei Lago Agrio.

Von einem temperamentvollen tropischen Regenschauer wurden wir in die Stadt Coca geschwemmt, machten aber eine Punktlandung in dem Hotel mit den bequemsten Betten der Welt. Es war nur eine Nacht. Rueckblickend kommt es mir so vor, als haetten wir etliche Tage dort verweilt. Wahrscheinlich deswegen, weil wir an unserem einen Tag dort noch so viel zu erledigen hatten.

Ich musste an die Uferpromenade des vorbeifliessenden Río Napo, Nebenfluss des Amazonas, um unsere Boottickets fuer die Fahrt nach Nuevo Rocafuerte zu kaufen. Von diesem abgelegen Posten an der peruanischen Grenze sollte unsere Urwaldtour starten. Einen ganzen Tag im Boot, den ganzen Río Napo flussabwaerts. Wenn man sich die Karte anschaut, bekommt man schon Respekt davor. Es ist dort echt der einzige Punkt weit und breit mitten im Wald im Umkreis von hunderten von Kilometern. Der eigentlich sonst so gute Lonely- Planet Reisefuehrer bringt lauter unbegruendete Bedenken dazu. Aber es waer ja auch langweilig, wenn man z.B. weiss, dass es dort Essen, Trinken und Hotels gibt und dass man auf jeden Fall davor gefeit ist, auch, wie andere Abenteuerlustige angeblich bereits, nach einer endlosen Bootsfahrt voellig durchnaesst am ADW anzukommen und letztendlich in der Polzeistation naechtigen zu muessen.
Manche Sachen konnte man nicht mehr aendern, aber zumindest sorgten wir insofern Unwaegbarkeiten vor, als wir Mengen an Wasser- und Essensvorraeten einkauften. Ganz kurzfristig meldete sich unser Fuehrer, wir braeuchten noch ein Zelt. Und so durchforsteten wir die Stadt und mit sehr viel Glueck ergatterten wir mit Ladenschluss noch ein Exemplar.

Die Stadt an sich hat ziemliche Gemeinsamkeiten mit Staedten der Sierra, mehr als mit denen der Costa und manche Teile koennten genauso in Ibarra sein. Vielleicht liegt es aber auch einfach an den grauen kopfsteingepflasterten Strassen. Trotzdem ist es doch irgendwie anders. Schwer zu beschreiben.

Dann, 7:30 Uhr morgens,  Aufbruch!
Das Boot, das angeblich Platz fuer 60 Personen bietet, war angenehm leer und gleitete also nun dahin, ganz schoen flott mit dem Strom. Monotones Motorengeraeusch. Ab und zu gab der Bootsmann am Bug ein Handzeichen an seinen Kollegen am Heck, zeigte ihm wohl an, wo es Untiefen zu umfahren galt. 
Ich mag es, mich mitten unter Einheimischen zu bewegen. Wir waren wieder die einzigen Auslaender und die sonstigen Passagiere fuhren nicht mit dem Motiv der Urwaldserkundung mit, sondern, um zu ihren Haeusern zu gelangen.
Nur fuer wenige ware Nuevo Rocafuerte Final Destination. Einige male hielten wir am Flussufer an, um den einen oder anderen aussteigen zu lassen. 

Ich haette mir Urwaldbewohner immer ein bisschen exotischer vorgestellt. Es gibt natuerlich einen Unterschied zwischen indigenen Staemmen, die tief im Wald, abgeschottet von jeglicher Aussenwelt leben und Menschen, die in Kleinstorten/ -zivilisationen am Flussufer beheimatet sind und zu besonderen Anlaessen oder Beschaeftigungen z.B. nach Coca fahren. Trotzdem passen manche Dinge einfach beim besten Willen nicht zusammen. Der wohl kurioseste Moment ueberhaupt war, als ein Junge, vielleicht in meinem Alter, mit Jeans und Hollister-T-Shirt ausstieg, sich verabschiedete, dann- so nach dem Motto, ich hab noch was vergessen - einen Karton mit einem Fernseher aus dem Boot holte. Den Fernseher geschultert verschwand er sehr schnell im Nirgendwo. Ansonsten konnte man wenigstens immer eine Huette, einen Weg erkennen. Er setzte seinen Fuss in den sumpfigen Untergrund und weg war er. Ganz abgesehen von der Frage nach dem Vorhandensein eines Fernsehsignals...
Eine Familie war gerade mit dem Umzug beschaeftigt.  
Was fuer goldige Jungen sie haben, die sich gegenseitig ueber das Wasser heben.

Doch es gab auch groessere Siedlungen, an denen wir anhielten. Eine Mittagspause in Pañacocha, in dem es ein Restaurant gibt und Tiputini, das sogar eine Schule hat. 
Je weiter wir flussabwaerts kamen, desto mehr fragte ich mich, wie es denn das Spanisch bis dahin schaffen konnte. 

Die besten Bilder von der Bootsfahrt, die so erlebnisreich und wohltuend war. Ab und zu brach es so richtig aus den Wolken. Trotz des Dachs regnete es von den Seiten her rein, trotz der ausgerollten Regenplanen wurde man nass, aber was gibt es schoeneres als an dieser tollen frischen Luft zu sein, den Fahrtwind im Gesicht durch den Regenwald Suedamerikas...


Nuevo Rocafuerte.


Nach all den winzigen Weilern kam uns das 100- Seelendorf richtig stattlich vor. Es war so, wie man sich einen Ort, der nur per Boot in 8 Stunden zu erreichen ist, nicht vorstellt: Ausgepraegte Infrastruktur, asphaltierte Strassen mit Beleuchtung fuer die nichtvorhandenen Autos, gute Haeuser. Darin froehliche Menschen, die sich gerne amuesieren! So manches, was an anderen Stellen im Land fehlt, gibt es dort. Oder vielleicht ist die Welt dort so ungefaehr noch in Ordnung. Perfekt fuer alle, die von der Aussenwelt nichts mitbekommen wollen. 
Manche arbeiten in einem Laden, andere geben in der Schule Englischunterricht, wieder andere fuehren in den Urwald, in den nahe gelegenen Parque Nacional Yasuní. Ein junger Mann  namens Cesar fuehrte uns. Aber dieser Teil hat einen eigenen Eintrag verdient.

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